Th. Paine.
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Nützlichkeitsprincip, sondern schliesst sich direct an Rousseau
an. Doch erkennt man immer den praktischen Angloameri-
zaner, der sein Ideal bereits verwirklicht weiss.
Auch darin unterscheidet sich Paine von Bentham, dass
während seiner schriftstellerischen Lautbahn wenig Entwick-
'ung und Veränderung seiner Ideen eintrat.
Seine ersten Schriften in Amerika, „Der gesunde Men-
schenverstand“ und die „Krisis“ enthalten schon ganz die-
selben Gedanken wie die späteren Schriften. Schon im „ge-
sunden Menschenverstand“ finden wir jene leichtmanchester-
liche Färbung der demokratisch-republikanischen Postulate,
die später oft zu entdecken ist. Da Paine jeder entwickelte
Sinn für sociale Classengegensätze fehlt und ihm die Titel
der englischen Aristokratie höchst widerwärtig, die Unter-
schiede zwischen Reich und Arm relativ gleichgültig sind —
gegenüber dem Unterschied zwischen König und Unterthanen
(S. 6 Bd. I), so ist es ganz natürlich, dass in seinen Schriften
viele Stellen sind, die später Cobden hätte citiren können —
mehr als solche, auf die sich O’Connor hätte berufen können.
Im „Gesunden Menschenverstand“ finden wir einen war-
men thatkräftigen Patriotismus, ein beständiges Drängen zu
energischen kriegerischen Maassregeln, heiligen Zorn gegen die
kriegsunlustigen Quäker. Es wird sogar zugestanden (S. 33),
dass „der Handel so wohl den Geist des Patriotismus als den
Geist militärischer Vertheidigung vermindert.‘
Allein wir finden auch schon den Satz, dass Neigung
zum Krieg eine besonders schlimme Seite der Monarchie ist
(S. 25). Das Handelsinteresse erscheint als ein Hauptgrund
für die Emanecipation Amerika’s (S. 18) und es fehlt nicht in
den ersten Worten der Schrift an Anklängen an die Idee
des Staats als einer Assecuranzgesellschaft mit möglichst hil-
ligen Prämien:
„Da Sicherheit der wahre Zweck und das Ziel eines
Staates ist, so folgt unwiderstehlich, dass jede Form desselben,
die sie uns am wahrscheinlichsten mit den geringsten Kosten
and dem grössten Nutzen sichert. allen anderen vorzuziehen
ist (S. 1).