Opposition gegen Maschinen und Fabriken. 607
der Arbeiter, bei der alten Betriebsweise zu verharren, in
schädlicher Weise steigern.
Ueber die weitere Entwicklung der Stimmung der Tuch-
arbeiter gegen die Walkmühle und die Tuchfabriken hat schon
der vorige Paragraph berichtet. Man hörte allmälig in der
Tuchindustrie auf, gegen die Maschine als solche zu opponiren,
stemmte sich aber noch gegen die Fabriken.
Dagegen brach im 19. Jahrhundert noch ein besonders
starker Sturm gegen die Maschine im Strumpfwirkergewerbe
aus.!) Es war dies wohl der Höhepunct wilder Auflehnung
gegen das neue System; es hing aber diese Bewegung mit
allgemeiner Steigerung des radicalen Sinnes unter den Arbei-
tern zusammen.
Allmälig legte sich überhaupt die Leidenschaft gegen die
Maschinen. Man verlangte nicht mehr ihr Verbot, sondern
ihre Besteuerung zur Ausgleichung der den Handweber drücken-
den Lasten.) Unter den Handwebern von 1834 war, wie
schon gesagt, keine besondere Leidenschaft gegen die Dampf-
webestühle als solche vorhanden.
Indessen die Leidenschaft gegen die Maschine regte sich
gelegentlich immer wieder; in Bolton fand z. B. ein Spinner-
strike statt, weil man Maschinen einführte mit 400 statt 300
Spindeln 3; und weit später noch, zur Zeit der Chartisten,
führte blinde Wuth der Arbeiter zu Fabrikzerstörungen, —
Heute ist dieser Geist erstorben. Man versteht, dass
nicht nur der Vortheil des Fabrikanten, sondern die Existenz
der Gesammtzahl der Arbeiter selbst von den die Production
steigernden Maschinen abhängt. Auch die Arbeiter haben
definitiv erkannt, dass eine Verbesserung ihrer socialen Lage
nicht durch Rückkehr zu ‚grösserer Armuth Aller bewirkt
werden könne. Dass es lange gedauert hat, bis solche Kin-
sicht allgemein wurde, darf uns nicht wundern, wenn wir
bedenken, dass der Uebergang in der That mit grossen
1) Siehe oben, Cap. 1, 87 (8. 484 £).,
% Report on petitions of several weavers, 1811, S. 13.
3) Fifth Report on Artizans and Machinery, 1824, S. 550.