Vorbemerkung
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über den Ursprung der neuen politischen Ideen.
Am Schluss des vorigen Abschnitts sprach ich von dem
Eindringen demokratischer Ideen. Allerdings handelte es sich
ler Wirkung nach vorzugsweise um eine Uebertragung der
politischen Herrschaft „von den Wenigen auf. Viele“. Aber
lies war doch nur die Folge einer tieferen principiellen Um-
wälzung aller Anschauungen über Natur, Ursache und Zweck
des menschlichen Zusammenlebens — einer Umwälzung, die
noch zu keinem Punkte des Abschlusses gekommen ist, ja ver-
möge ihres vorwiegend negativen, kritischen Charakters auch
zu keinem Abschluss kommen kann, wenn sie rein hei ihren
Ausgangspunkten bleibt.
Um es mit einem Wort zu sagen: es handelt sich um
die Auflehnung des Individuums gegen die traditionellen Ord-,
nungen. Das menschliche Individuum verlangt und bethätigt
das Recht über alle Fragen des inneren und äusseren Lebens
frei und voraussetzungslos zu denken, zu forschen, zu prüfen.
Es beugt sich dabei keiner Autorität irgend einer äusseren
Macht oder einer unantastbaren Idee. Es erkennt nur die
Thatsachen an, die es selbst sieht und beobachtet und erklärt
laraus das, was ist. Und wenn es nach Einrichtungen fragt,
lie getroffen werden sollen, so fragt es nur, ob diese den In-
teressen und natürlichen Zwecken seiner selbst dienlich sind,
Die Idee der „freien Persönlichkeit“ ist den germanischen
und romanischen Völkern angeboren. Aber sie war verbunden