Gründung des deutschen Reiches, Erneuerung des Kaisertums. 145
kräftigen Keime der christlichen Mission. Mit großem Blicke
ausgestattet zogen die Glaubensboten noch unter Otto weit
hinaus über die ursprünglichen Grenzen kriegerischer Einwirkung.
In Polen nahm Herzog Misaca das Christentum an; im
Jahre 961 baten die Russen um deutsche Missionare. In Böhmen
war Herzog Boleslaw II. (seit 967) dem Christentum geneigt;
schon eröffneten sich Aussichten auf ein Bistum Prag, die sich
dann unter Otto II. verwirklichten. In Dänemark endlich
beugte sich König Harald unter die Taufe, und die Predigt der
deutschen Bischöfe zeitigte reiche Ernte.
Das alles ermunterte zur endgiltigen Regelung der kirch—
lichen Verhältnisse im Norden Deutschlands. Schon früh faßte
sie Otto ins Auge; aber erst spät gelang sie ihm nach lang—
wierigen Verhandlungen. Magdeburg ward Erzbistum; am
Weihnachtstage des Jahres 968 weihte der erste Erzhirt, der
sittenstrenge und kluge Abt Adalbert von Weißenburg, früher
Missionsbischof unter den Russen, die ersten Bischöfe der drei
neu errichteten Untersprengel Merseburg, Zeitz und Meißen;
zugleich unterstellte er sich die älteren Bistümer Havelberg und
Brandenburg, zu denen bald noch ein polnisches Bistum Posen
hinzutrat.
Es war eine gewaltige kirchliche Organisation neben jener
der bremisch-hamburgischen Kirche: beide Erzbistümer zusammen
zeigten weit über die Dänen- und Slawenpolitik Ottos des
Großen hinaus dem deutschen Einfluß die Wege in die unend⸗
lichen Gebiete des Nordens und Ostens.
IV.
Die Slawenpolitik war die überlieferte, die in besonderem
Sinne nationale Politik der Ottonen. Indem das Reich sich
aber immer mehr festigte, wurde König Otto um so mehr auch
in eine äußere Politik über diejenigen Grenzen hinaus verstrickt,
die der Heimat seines Geschlechtes ferner lagen.
Lange Zeit schon hatten das westfränkische und das ost⸗
fränkische Reich um die führende Stellung in Mitteleuropa
Lamprecht, Deutsche Geschichte M. 10