Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

Entstehung, Blüte und Verfall des Larlingischen Weltreichs. 19 
Völlig unzweideutig geben sich die Ziele Pippins: die 
Kirche soll neben ihrem selbständigen Leben, dessen höchste Blüte 
gewünscht wird, ein Werkzeug sein des Staates, der Karlingischen 
Herrschaft, nicht des Papstes. Es war eine entschiedene Ab—⸗ 
sage an Rom, die um so nötiger erscheinen mochte, in je nähere 
Berührungen Pippin sonst mittlerweile mit dem Papsttume 
getreten war. 
Die politische Stellung des Papsttums in Italien konnte 
gegen Schluß der ersten Hälfte des 8. Jahrhunderts als beinahe 
hilflos bezeichnet werden. Vom kaiserlichen Byzanz, das außer 
anderen Küstenstrichen Italiens vor allein noch den römischen 
Dukat und den Exarchat von Ravenna in kraftlosem Besitze 
hielt, verlassen und doch nicht aufgegeben, in steigender Be⸗ 
drängnis durch das langobardische Königtum, das sich mit Be—⸗ 
ginn des 8. Jahrhunderts zu erneuter Macht emporraffte, 
hatten die römischen Bischöfe nichts anderes zu thun gewußt, 
als sich in Rom selbst und in den Umgebungen der Stadt eine 
pseudosouveräne Macht zu verschaffen, die den Frieden des 
Papsttums in gewöhnlicher Zeit gewährleistete; gegen die immer 
näher drohende Annexion des Tukates durch die Langobarden 
aber hatten alle einheimischen, italienischen Mittel begonnen 
zu versagen. 
Als schließlich gegen Ende der dreißiger Jahre des 8. Jahr⸗ 
hunderts der Andrang des Langobardenkönigs Liutprand über— 
mächtig ward, da hatte Papst Gregor III. verzweifelt Karl 
Martell um Hilfe gebeten. Vergebens; nicht einmal das An— 
gebot fränkischer Schutzherrschaft über Rom hatte den auf das 
Nächsterreichbare gerichteten Sinn des Hausmeiers geneigt ge⸗ 
macht. So bestand die Notlage des römischen Stuhles 
fort; von Byzanz vernachlässigt, drohte das Papsttum in die 
barbarischen Hände der Langobarden zu fallen. 
Inzwischen war Pippin im Frankenreich zur Herrschaft ge⸗ 
langt; im Jahre 743 hatte er nach sieben königslosen Jahren, 
vermutlich um eine Empörung der Großen zu verhindern, einen 
neuen Schattenkönig aus merowingischem Hause einsetzen müssen. 
Dann hatte sein Bruder Karlmann dem Reiche entsagt; allein 
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