Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

Sieg der kirchlichen Ideen über Papsttum u. Kaisertum zugleich. 381 
Tuscien beugte sich; in vollster Macht feierte er Weihnacht 1110 
zu Florenz. Von Arezzo und Aquapendente aus schickte er 
Gesandtschaften an den bedrängten Papst. Paschalis konnte 
nicht anders, als ihren Aufträgen die Forderung vollster Auf— 
gabe der Investitur seitens des Königs gegenüberstellen. 
Natürlich fand er nicht das geringste Entgegenkommen. So 
kam Paschalis, eine reine Seele, die, fern den hierarchischen 
Zielen eines Gregor, dem kirchlichen Armutsideale zuneigte, zu 
dem Gedanken, die Thatsache der königlichen Investitur in das 
Reichskirchengut überhaupt gegenstandslos machen zu wollen 
dadurch, daß er der deutschen Kirche den Verzicht auf die 
grundherrliche und reichsfürstliche Stellung der Bischöfe zu— 
mutete. Mit der vom Papste gebilligten Formulierung: Ver— 
zicht der Kirche auf Reichsgut uud Regalien, Verzicht des 
Königs auf die Investitur der Bischöfe und Reichsäbte: kehrte 
die Gesandtschaft zum König zurück; und auf dieser Grund— 
lage kam es am 4. Februar 1111 zu einer Reihe bindender 
Abmachungen. Hiernach sollte Heinrich am 12. Februar zum 
Kaiser gekrönt werden, nachdem er vorher den hergebrachten 
Eid geleistet, den Papst an seiner Person nicht kränken und 
schädigen zu wollen; vor der Kaiserkrönung aber sollte er auf 
die Investitur verzichten unter der Bedingung, daß der Papst 
darauf alsbald die Bischöfe und Reichsäbte zum Verzicht auf 
Reichsgut und Regalien veranlasse. 
Heinrich zog nunmehr gen Rom; am 12. Februar traf er 
im Petersdom ein, der Papst erwartete ihn dort; sofort begann 
die vertragsmäßig festgesetzte feierliche Verhandlung. Heinrich 
verzichtete zunächst auf das Recht der Investitur; doch ließ er 
zugleich eine Urkunde verlesen, wonach er seinerseits die Bischöfe 
und Äbte nochmals in ihrem Besitze bestätigte und erklärte, er 
als Sünder trage im Hinblick auf das schreckliche jüngste Ge— 
richt Bedenken, sie dieses Besitzes zu berauben. 
Nach dieser eigenartigen Einleitung von seiten des Königs 
verlas der Papst seine Proklamation. Im schroffsten Wider— 
spruch zu den gregorianischen Herrschaftsansprüchen erklärte er
	        
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