Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

Sieg der kirchlichen Ideen über Papsttum u. Kaisertum zugleich. 391 
sich die kirchlichen Gegensätze mit dem füddeutschen Gegensatz 
zwischen Staufern und Welfen: auf der einen Seite stand jetzt 
die altkaiserlich-antikirchliche Partei unter Friedrich von 
Schwaben wie dessen Bruder Konrad von Ostfranken, auf der 
andern die gregorianisch-sächsische Partei unter Lothar, dem 
bairischen Herzog und den rheinischen Bischöfen, vor allem dem 
Mainzer. 
Es war klar, daß durch diese feste Konstellation ein gut 
Teil der Regierung Lothars bestimmt sein würde. In der 
That ließ Lothar bei den Bischofswahlen die Rechte ruhen, 
welche der Krone 1122 bestätigt worden waren. So wurde in 
Magdeburg einer der kirchlichen Ertremen, der Abt Norbert 
von Prémontré, gegen Lothars Kandidaten (der noch dazu sein 
Verwandter war) 1126 zum Erzbischof erhoben. Und in den 
Kreisen der Gregorianer wurde schon ein Programm formuliert, 
zu dessen Durchführung sie den König bewegen wollten. Von 
der kirchlichen Frage aber suchte Lothar die dynastische zu 
trennen: aus eigner Kraft ist er zunächst der Staufer Herr 
geworden. 
Freilich sind mehr als vier Jahre von dahinzielenden 
Kriegszügen und Verhandlungen erfüllt, und die ersten Kämpfe 
verliefen keineswegs zu Gunsten Lothars: 1126 blieb der Feld⸗ 
zug gegen den Staufer erfolglos, und Ende des Jahres 1127 
fühlten sich die Staufer stark genug, in Konrad von Ostfranken 
einen Gegenkönig aufzustellen. Indes, gerade dieser Schritt 
brachte die Wendung. Indem Konrad 1128 nach Italien ging, 
um Rom zu gewinnen, zersplitterte er die staufischen Kräfte; 
Lothar gelang es, am Oberrhein wie in Ostfranken Fuß zu 
gewinnen, während Konrad völlig ohne Erfolge aus Italien 
heimkehrte. Im Herbst des Jahres 1130 sahen sich die 
staufischen Bruder auf die Einsamkeit ihrer schwäbischen Be— 
sitzungen und Burgen zurückgedrängt; Lothar war es möglich, 
fie einstweilen nicht weiter zu beachten und sich den drängenden 
kirchlichen und italienischen Angelegenheiten zuzuwenden. 
Dem Papst Calixt II. (gestorben 18. Dezember 1124) war 
in Honorius II. ein Papst gefolgt, dem die normannische
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.