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Fünftes Buch. Zweites Kapitel.
gelehrten Selbstentäußerung offenbarten sich die Tiefen seiner
Seele als germanisch.
Germanisch war auch Karls Auffassung der nächsten Bande,
die Mensch an Menschen ketten, des Familienlebens und
der Ehe.
Gegenüber der systemlosen Entartung des Ehelebens im
Hause der Merowinge hatten schon die Ahnen Karls auf den
ursprünglichen, noch polygamen Charakter der altnationalen
Fürstenehe zurückgegriffen; namentlich Karl Martell lebte in
dieser Hinsicht kaum anders, als die zur Herrschaft geborenen
Zeitgenossen Armins. Seine Söhne, der fromme Karlmann
und der bei aller Thatkraft gemütstiefe Pippin, hatten sich dann
von dieser Grundlage wieder entfernt, indem sie sich dem Ehe—
gesetz der Kirche annäherten, die eben damals einen ersten An—
lauf nahm zur Verchristlichung der germanischen Anschauungen
über die Ehe. Demgegenüber folgte Karl der Große wiederum
den älteren Traditionen seines Geschlechtes, indem er nach
unseren Begriffen geschlechtlich ungebunden lebte; und sein
Biograph erzählt hiervon, ohne daran einen, von kirchlichem
Standpunkte aus nahe liegenden Tadel zu knüpfen. Eine statt⸗
liche Reihe vornehmer Frauen sehen wir daher im Laufe einer
siebzigiährigen Lebensdauer an seiner Seite, die fränkische Edle
Himiltrud, eine Jugendliebe, die bald über der schwächlichen
langobardischen Fürstentochter Desiderata vergessen ward, nach
dieser die Alamannin Hildegard, wohl die anmutigste Gestalt
unter den Frauen Karls; sie starb, von ihrem Gemahl schmerz⸗
lich betrauert, im Jahre 7838. Doch vermählte sich Karl bald
wieder mit der stolzen Fastrada, aus ostfränkischem Grafen—
geschlecht, heiratete darauf die Schwäbin Liutgard, und als auch
diese vorzeitig, kurz vor der Kaiserkrönung Karls, ins Grab
gesunken war, fand der sechzigjährige Herrscher noch Geschmack
an einem politischen Heiratsprojekt zwischen ihm und der ost—
römischen Kaiserin Irene und nach dessen jähem Abbruch noch
Mut und Kraft, sich von drei deutschen Frauen mit einer
Tochter und drei Söhnen beschenken zu lassen.
Die Familie, die sich unter diesen Wechseln um den Kaiser