Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

Die Karlingische Renaissance. 
55 
überwiegenden Teiles aus den Erträgen der fiskalischen Land— 
wirtschaft bestanden, die in Geld umzusetzen das geringe Leben 
der Volkswirtschaft noch nicht gestattete, und da es ferner die 
schlechten Verkehrsmittel unmöglich machten, diese Erträge nach 
wenigen Punkten des Reiches zum Gebrauch des Herrschers 
und seines Hofes zusammenzubringen: so blieb dem Könige 
nichts übrig, als persönlich mit Hof und Familie von Pfalz 
zu Pfalz zu reiten und seine Einkünfte da zu verzehren, wo 
sie gewachsen waren. 
Auch Karl hat unter diesen Schwierigkeiten gelitten; doch 
ist er schließlich, allein unter allen Herrschern seines Stammes 
und künftiger Kaisergeschlechter des eigentlichen Mittelalters, 
ihrer bis zu einem gewissen Grade Herr geworden. Schon 
früh brachte er es dahin, seinen mehr oder minder ständigen 
Aufenthalt jedenfalls an die große Verkehrsstraße im Osten 
seines Reiches, an den Rhein zu verlegen, sei es nach Ingel—⸗ 
heim, sei es nach Nijmegen oder nach Achen; an diesen Orten 
vermochte man am ehesten unter Benutzung der vorhandenen 
Wasserstraßen des Rheins, des Mains und der Maas die Er— 
träge der benachbarten Domänen zu vereinigen. In seinem 
Greisenalter hat der Kaiser es dann zu noch weiterer Konzen⸗ 
tration gebracht. Nun lebte er, körperlich wenn nicht schwach, 
so doch nachlassend, fast durchweg in Achen, im ständigen Ge— 
brauch der heilsamen Bäder des Ortes und nabe der nie ver⸗ 
gessenen Heimat der Ahnen. 
Indes die Ruhe einer ständigen Residenz im Sinne unserer 
Tage ward ihm auch hier nicht zu teil. Die Völker seines 
Reiches waren durch den bisher regelmäßigen Wechsel des 
königlichen Aufenthaltsortes daran gewöhnt, den König persön⸗ 
lich zu sehen, sich ihm unmittelbar zuzuwenden; sie ließen von 
diesem Brauche jetzt um so weniger, je dauernder sich der Ruhm 
Karls verbreitete. Achen wurde zur Zufluchtsstätte aller Be— 
drängten, zur Bildungsstätte aller Talente, zum Tummelplatz 
aller Streber im weiten Rund des Karlingischen Reiches; von 
Tag zu Tag zogen neue Scharen, andere Fürsten, weiter her— 
gekommene Gesandtschaften durch die Thore der Lieblingspfalz, 
und Karl der Große war so weit entfernt, sich den Pflichten zu
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.