—390 Zehntes Buch. Drittes LKapitel.
fürstlichen Verwandten hat er diesem die Schlacht auf dem
Marchfelde (1278) schlagen helfen. Nach Otokars jähem Fall
aber ward er überraschend schnell selbständig, wußte eine Art
von Oberherrlichkeit über die schlesischen Teilfürsten zu gewinnen
und suchte Anschluß an das Reich; er hat seine Lande von
König Rudolf zu Lehen genommen.
Dieser Schritt, der die Aufhebung des uralten politischen
Verbandes mit dem damals völlig in sich zerrissenen Polen be—
deutete, ward vervollständigt durch die Lockerung auch der kirch—
lichen Zusammenhänge. Schon längst war Herzog Heinrich in
Streit mit dem Bischof von Breslau und dadurch mit der
polnischen Kirche, der das Bistum Breslau zugehörte, als der
Kampf durch den Übertritt der Mehrzahl der schlesischen Mino—
ritenklöster von der schlesischen zur sächsischen Kirchenprovinz
eine nationale Wendung erhielt. Der polnische Epissopat nahm
diesen Vorgang zum Anlaß, um im Jahre 1285 auf der Synode
von Lenczye in einem Schreiben an den Papst alle alten Be—
schwerden gegen die Deutschen in Schlesien — vornehmlich ihre
Verachtung des polnischen Peterspfennigs und der polnischen
Zehntzahlung — klagend zu erneuen: die Kurie solle gegen
Herzog Heinrich vorgehen. Gegen dies Treiben entfaltete Hein—
rich eine furchtbare Energie; er stieß den Breslauer Bischof aus
dem Lande, ja er verfolgte ihn auch noch außerhalb der Grenzen,
bis er sich gütlicher Einigung geneigt zeigte. In dem Vergleiche
aber erkannte der Bischof die deutschen Eigenheiten der Kirche
Schlesiens im wesentlichen an.
Ein Festiger deutschen Wesens in Schlesien, unternahm
Heinrich zugleich die damals noch nicht aussichtslose Aufgabe einer
Germanisierung des südlichen Polens. Schon lange bestand eine
deutsche Gemeinde in Krakau, die sich auf reichen Handel und
faustkräftige Handwerke stützte; deutsche Parteien gab es auch
in Auschwitz und Zator, in Sendomir und Bochnia. Als nun
im Jahre 1288 Lesko der Schwarze, der kinderlose Herzog von
Warschau, gestorben war, da brach Heinrich gegen das Land
vor; jubelnd empfingen ihn die Deutschen Krakaus; gern sahen
sie die Begabung der Salzstadt Wieliczka mit deutschem Recht: