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muß die Sittlichkeit wollen und die Macht haben, die Glück
seligkeit zu bestimmen. Es wird also ein solches Wesen, d. h.
eine Gottheit von der praktischen Vernunft gefordert.
4. Die Idee der Gottheit ist auch deshalb für uns nothwendig,
weil es in dem Wesen unserer Vernunft liegt, überall Gesetz
mäßigkeit und Einheit zu pichen und zu setzen. Und wenn
auch weder unser Begriffsvermögen noch die wissenschaftlich be
grenzte Erkenntniß das Ganze der Welt zu umfassen, zu be
greifen uni) zu erkennen vermögen, so werden wir doch durch
die praktische Vernunft getrieben, Alles, was wir Welt nennen,
als ein Ganzes aufzufassen. Die Idee der Welt ist somit eine
nothwendige, zu welcher jeder vernünftig Denkende gelangen
muß und an diese Idee muß sich wieder nothwendig die Idee
einer Gottheit anschließen, d. h. die Idee eines Princips, von
welcheni die Gesetze der Welt ausgehen und wodurch die Einheit
des Weltalls erhalten wird.
11. Beweise für die Fortdauer der Seele.
Der Glaube an Gott ist eng verbunden mit beni Glauben au
die Fortdauer unserer Seele. Die Beweise für diese lassen sich kurz
in Folgendem zusammenstellen:
a. Wie bereits oben ausgeführt, können die Seelenthätigkcitcu
nicht Productc materieller Processe sein, mithin auch nicht der
todten endlichen Materie, sondern müssen dem Geiste zukommen
und dieser muß demnach immateriell, unkörperlich oder einfach
d. h. nicht aus verschiedenen Bestandtheilen zusammengesetzt sein.
Ist aber unser Geist einfach, so ist er unzerstörbar, denn eine
Sache zerstören heißt: sic in ihre Bestandtheile auflösen, aus
ihrer Verbindung herausreißen, in der sie bisher bestanden.
Kann nun aber Etwas nicht zerstört werden, so muß cs
immer fortbestehen, mithin auch unser Geist oder unsere Seele.
Sonach ist die lediglich der materialistischen Weltanschauung
entstammende Annahme, daß alle Seelenthätigkeiten nur Be-