Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

226 Zwölftes Buch. Zweites Kapitel. 
wenig. Zwar stellten sich innerhalb der städtischen Verwaltung all⸗ 
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und Bachherren, die Dreck- und Aduchtmeister und wie sie sonst 
hießen; doch blieb trotzdem im wesentlichen alles beim alten, und 
es bezeichnet schon einen großen Fortschritt, wenn in den siebenziger 
Jahren des 15. Jahrhunderts in Köln die Stadtreinigung einem 
besonderen Unternehmer übertragen wurde, während z. B. 
Göttinger Statuten aus den Jahren 1330—1334 ähnlich wie 
Anordnungen in Mecheln vom Jahre 1348 nur die Reinigung 
der Straßen von 14 zu 14 Tagen durch die Anwohner geboten. 
Und wie die Straße, so entbehrte auch das mittelalterliche 
Haus fast noch durchweg jener reinlichen Behaglichkeit, welche 
jetzt gerade im deutschen Bürgerhause den vornehmsten Aus— 
druck gewonnen hat. Wenn im früheren Mittelalter die meisten 
Häuser einfache, mit Schindeln eingedeckte Holzhäuser gewesen 
waren, so daß man anfangs fast auf das Menschenalter, später 
wenigstens auf das halbe Jahrhundert für jede Stadt einen 
großen, verzehrenden Brand rechnen konnte, so ist man erst spät 
aus diesem Zustande herausgekommen. Die Steinhäuser bilden 
im 12., ja im 13. Jahrhundert noch eine große Seltenheit; die 
ältesten erhaltenen, wie namentlich das prächtige Overstolzen⸗ 
haus in Köln, datieren aus der Zeit des romanischen Über⸗ 
zangsstils: meist hohe dreistöckige und schön verzierte Bauten, 
waren sie bürgerliche Paläste im Sinne des 183. Jahrhunderts. 
Fine wesentliche Verbesserung trat freilich im 18. Jahrhundert 
durch die Ausbildung des Holzbaues zum Fachwerkbau ein, der 
dann später, vor allem in den Städten nördlich vom Harze, eine 
wirksame künstlerische Ausbildung erhielt. Aber auch jetzt noch 
blieb der Ausbau durchweg schlicht, und namentlich deckte man 
noch immer mit den feuergefährlichen Schindeln und mit 
Stroh; Kaiser Ludwig gebot noch 1342 für München, wenig— 
stens die Wohnhäuser sollten doch mit Steinziegeln gedeckt sein. 
Und auch in den Kolonialgebieten war die Entwicklung kaum 
zünstiger; fast überall trifft man hier in den größeren Städten 
roch heute nur die Hauptstraßen und Plätze mit älteren Häusern
	        
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