Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

wiederherstellung des nationalen Königtums. 21 
Meinungsäußerungen der mittelrheinisch⸗ wetterauischen Städte. 
Und da Erzbischof Werner, ein Sproß des Eppensteiner Hauses, 
das mit Ausnahme von zwölf Jahren den Mainzer Erzstuhl 
während des ganzen 13. Jahrhunderts innegehabt hat, großen 
Ansehens genoß und mit dem wichtigsten weltlichen Fürsten des 
Mutterlandes, dem Wittelsbacher Ludwig, Herzog von Bayern 
und Pfalzgraf bei Rhein, befreundet war, so schritten die Ver⸗ 
handlungen nun, zumal unter dem Drohen des Papstes, rüstig 
hborwärts. Als Kandidat wurde zunächst eben Ludwig von 
Bayern in Aussicht genommen: einst jugendlich jähzornig und 
leidenschaftlich, jetzt zum festen Manne gereift, dem früheren 
Zerrschergeschlecht durch die sorgsam geführte Vormundschaft 
iber den unglücklichen Konradin eng verbunden, dazu persönlich 
mächtig und willensstark, war er in seltener Weise für die 
schweren Aufgaben geeignet, die den künftigen König erwarteten. 
Aber gerade diese zweifellosen Vorteile standen am Ende 
seiner Wahl entgegen; ein hervorragend starkes Regiment war 
weder die Meinung der Fürsten noch des Papstes. Und so 
trat, schließlich von Ludwig selbst begünstigt, ein kleinerer 
Parteigänger der staufischen Vergangenheit in den Vordergrund: 
Graf Rudolf von Habsburg. 
Es war nicht zum erstenmal, daß ein einfacher Graf als 
Bewerber um die Krone genannt ward; nach dem Aussterben des 
salischen Herrschergeschlechts mit Heinrich V., im Jahre 1125, 
hatten nicht wenige in dem Grafen Karl von Flandern den ge⸗ 
eignetsten Nachfolger Heinrichs erblickt!. Und wohl mochte sich 
Ruͤdolf von Habsburg um das Jahr 1270 mit dem längst ver⸗ 
schiedenen Flandrergrafen? an Macht und Persönlichkeit zuversicht⸗ 
lich messen. Er gehörte immerhin zu den mächtigeren Herren im 
Reich. Sein Haus, vielleicht mit den zähringischen Herzögen gleichen 
Ursprungs aus dem alten Geschlechte der herzoglich elsässischen 
Etichoniden, rühmte sich großer Ahnen schon aus dem 11. Jahr— 
hunbert; ums Zahr 1027 war Wernher, ein Sproß des Ge— 
Otto von Freising, 88. 20, 256. 
eS. Band III S. 313.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.