360 Dreizehntes Buch. Erstes Kapitel.
lang der Unterthanschaft und dem Beamtendienst irgend eines
Landesherrn verfallen. Der reichsunmittelbar bleibende Rest
des Adels aber nahm die Richtung auf Ausbildung eines be—
sonderen Standes, der mit den Bürgerschaften der Städte
kaum noch engere Beziehungen hatte. Dies um so mehr, als
die größeren Städte während der gleichen Zeit eine Entwicklung
durchgemacht hatten, die sie überhaupt allen aristokratischen
Interessen entfremdete. Seit dem Ende des 18. Jahrhunderts
erschien in den meisten von ihnen die Herrschaft der edlen
Geschlechter bedroht; in Ulm ist es schon 1292, in Speier
1304 zu Zunftrevolutionen gekommen, in Augsburg ward im
Jahre 1301 eine demokratische Tyrannis noch eben durch kräftiges
Vorgehen gegen das starke Geschlecht der Stolzhirsche vermieden.
In die folgenden Jahrzehnte fällt dann die Höhezeit der Zunft⸗
bewegung wenigstens in den centralen Gebieten des Reiches?:
sie bedeutete für die äußere Politik der Städte ein allmäh—
liches Zerreißen der Bande, wodurch die Bürgerschaften früher
mit dem Adel verknüpft gewesen waren, und auch eine schärfere
Stellungnahme gegenüber den Fürsten.
Die Könige vor Ludwig dem Bayern verhielten sich zu
allen diesen Vorgängen nicht vollkommen auf gleiche Art; im
ganzen aber haben sie den Zeitraum, in dem die Städte wegen
innerer Umwandlungen nach außen weniger handlungsfähig
waren, zu ihrer finanziellen Ausbeutung auszunutzen gesucht,
anfangs mehr durch Steuerauflagen, später durch Verpfändung
der womöglich erhöhten städtischen Reichssteuern an dritte,
vornehmlich an Fürsten. Es begreift sich, daß namentlich die
zweite Maßregel in den Städten auf den entschiedensten Wider⸗
spruch stieß und zugleich wenig geeignet war, ein besseres Ver⸗
hältnis zwischen Fürsten und Städten anzubahnen.
Damit wurde es fast von Jahr zu Jahr gewisser, daß
die Gegensätze zwischen den großen sozialen Gruppen steigen
und schließblich zum Zusammenstoß führen würden.
1 S. oben S. 199.