Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

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Elftes Buch. Erstes Kapitel. 
burger sind von Böhmen aus schließlich halb nach Ungarn ge— 
drängt worden und dem Reiche fast verloren gegangen. Das 
Haus Habsburg selbst büßte im 19. Jahrhundert seine 
deutsche Stellung ein, nachdem es mit dem Untergange des 
alten Reiches seine Stellung in Belgien und im oberrhei— 
nischen Vorderösterreich aufgegeben hatte. Preußen würde 
seinem heutigen deutschen Berufe nicht leben können, besäße 
es nicht wenigstens die Rheinprovinz, Westfalen und Hessen⸗ 
Nassau. Sollte Rudolf nicht dunkel die Notwendigkeit gefühlt 
haben, daß er als deutscher König, nachdem er im Süd— 
osten ein reicher Herr geworden, nun auch die Pflicht habe, im 
Centrum des Reiches als Fürst mehr als bisher zu gelten? 
Genug aus welchen Gründen immer: er suchte eine Ver— 
größerung seiner alten Grafschaft zunächst in der Richtung auf 
Schwaben. 
Vom Oberrhein her erweiterte er die Besitzungen seines 
Hauses im südlichen Schwarzwald; in Schwaben selbst setzte 
er in dem Grafen Albrecht von Hohenberg einen energischen 
königlichen Landvogt ein und sorgte für genaue Verzeichnisse 
des seit 1245 entfremdeten Reichsguts. Es waren Vorbe— 
reitungen für Größeres, welche von den kleinen Herren Schwa— 
bens und vor allen vom Grafen Eberhard dem Erlauchten von 
Württemberg mit steigendem Bedenken verfolgt wurden. Als 
dann Rudolf in persönlicher Anwesenheit Schritte zur Wieder— 
aufrichtung des Herzogtums thun wollte, da setzte sich alles 
wiederholt so tapfer zur Wehr, daß der alternde König von 
seinem Plane abstand. 
Aber was in Schwaben nicht möglich schien, das suchte 
Rudolf nun von der Südwestgrenze seiner ererbten Herrschaft 
nach Westen zu, gegen Burgund zu erreichen. Wiederholt schon 
hatte er phantastische Pläne, die auf die Herstellung eines 
habsburgischen Erbreiches Arelat hinausliefen, unterstützt oder 
von sich aus angeregt: aber obwohl sie von der Kurie zu— 
meist lebhaft gefördert worden waren, da diese in einem Er— 
folge Rudolfs an der Rhone die wirksamste Gegenwehr gegen 
das drohende sizilisch-französische Übergewicht gefunden haben
	        
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