190 Zwanzigstes Buch. Erstes Kapitel.
einige der bemerkenswertesten Denkmäler des kirchlichen Barocks
auf deutschem Boden verdankt, so Sankt Kajetan in München
und vor allem die katholische Hofkirche in Dresden. Diese,
eine Schöpfung Chiaveris aus den Jahren 1738 1754, ist ein
Spätling der ganzen Entwicklung, der noch einmal in dem
effektvollen Aufbau, in dem majestätischen Eindruck und in der
malerischen Lichtführung alle bezeichnenden Seiten des Barocks
zur Geltung bringt, wenn auch schon in Wirkungen, die nach
dem Rokoko zu abgetönt sind.
Das Barock war in erster Linie ein Stil bewußt kirch⸗
lichen Pompes; in seinem Ausbau hatte sich der regenerierte
Katholizismus einiger der tiefsten ästhetischen Neigungen des
Zeitalters überhaupt bemächtigt. Bei dem inneren Zusammen⸗
hange aller Kulturerscheinungen jedes Zeitalters lag es daher
in der Natur der Dinge, daß der Stil auch der Haltung der
europäischen Laiengesellschaft seit der Mitte des 17. Jahrhunderts
durchaus entgegenkam. Wir kennen sie schon, diese Zeit der
gesellschaftlichen Allongeperücke und der höfischen Repräsenta—
tion: mit welchem Gefühl innerer Harmonie mußten sich ihre
Vertreter in den würdig-theatralischen Räumen des neuen Stiles
bewegen!
So hatte sich schon in Italien ein besonderes Barock des
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noch des heutigen Italiens, ja des Südens überhaupt waren
diese Paläste nach deutschen Begriffen nicht eigentlich wohnlich;
vielmehr wurde der Hauptwert auf große, luftige und zugleich
repräsentative Räume gelegt, womit man den Bedürfnissen der
Gesellschaft der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts in jedem
Betracht entgegenkam. Große Treppenanlagen, die in hohe
und weite Säle eines ersten Geschosses führten, während das
Parterre untergeordneten Bedürfnissen diente und in den bei dem
engen Straßenraum unvermeidlichen Mezzainen, sowie in den
oberen Stockwerken die eigentlichen Wohnräume enthalten waren:
das war es, was man von einem Palaste der Zeit vor allem ver⸗
langte. Dazu kam da, wo die Anlage besonders ausgedehnt war,
die Anordnung eines oder mehrerer Arkadenhöfe, deren Flügel in