Neue Ideale weltmännischer und gelehrter Bildung. 39
ja kein wirtschaftliches Bedenken entgegen. Im Gegenteil,
fürstliche Verschwendung lag in der Theorie des geltenden
Merkantilismus, und nur eine geringe Zahl von Zeitgenossen,
keineswegs die öffentliche Meinung der Zeit, hat sie beanstandet.
Denn wenn der Merkantilismus lehrte, daß es darauf an—
komme, aus geringem Rohmaterial vermöge intensivierter Arbeit
höhere Werte zu schaffen, so kamen dieser Forderung die fürst—
lichen Luxusindustrien der Gobelinwirkerei und Seidenweberei,
der Fayancen und später des Porzellans aufs beste nach; und
wenn er weiter aussprach, daß in ein Land vor allem viel Geld
kommen und in ihm erhalten bleiben müsse, so erschien es als
produktive Beschäftigung, wenn die Höfe Geld unter die Leute
zrachten.
So wirtschaftlich durch die Theorie gedeckt und darum
moralischer Bedenken frei, ergaben sich die Fürsten immer
wachsendem Luxus.
Es war zunächst noch ein Luxus alter Form: Essen, Trinken,
Jagen spielten ihre Rolle. So wurden 3z. B. die Reiherbeizen
erst recht wieder aufgenommen; an dem geistlichen Hof in Kur⸗
köln erhielten im 18. Jahrhundert ein Reihermeister und ein
Milanenmeister ein Gehalt von je 3338 Talern, während der
Obersthofmeister sich mit einer Einnahme von 2660 Talern
begnügen mußte. Aber zu diesen Elementen der heimischen
Vergangenheit brachte die französische Kultur auch gänzlich neue.
Vor allem — das allein bedeutete eine volle Umwälzung des
deutschen Hoflebens — den Einfluß der Frauen. Erst er hat
3z. B. dem französischen Baustil recht den Weg gebahnt. Denn
nun kamen für die neuen Bedürfnisse einer Gesellschaft durch—
aus beider Geschlechter, wo moͤglich unter einem Überwiegen des
schwächeren, ganz neue Raumbedürfnisse auf: die Bälle, die
Karnevals, die Maskeraden, die Aufzüge erforderten große und
prunkende Säle. Und als die Roͤgence in Frankreich eine Be—
wegung zur Befreiung von der strengen Etikette des Hofs Lud⸗
wigs XIV. brachte und mit ihr die Schäferspiele und Garten—
feste, da wurde auch diese Wendung in Deutschland mit—