Weitere Entwicklung des Intellektualismus. 59
und weitere etwa gleichzeitig zu Danzig, Hamburg, Erfurt und
Nürnberg, sowie im Haag und in Amsterdam aufblühende Ge—
sellschaften, die sich namentlich die Pflege der Naturwissen⸗
schaften zum Ziele setzten. Aus späteren Jahren nahmen, zu—
meist unter Betonung mehr der literarischen Aufgaben, an ver—
wandten Zielen teil die „Aufrichtige Gesellschaft von der
Tanne“ in Straßburg, die von Philipp von Zesen und anderen
gegründete „Hamburgische Gesellschaft“ von 1648, der „Peg—
nesische Blumenorden“ zu Nürnberg, von Philipp Harsdörffer
1644 gestiftet, und eine von 1664 an bestehende alchimische
Rosenkreuzergesellschaft, deren Mitglied 1667 Leibniz geworden
ist, sowie der um 1660 blühende „Schwanenorden an der Elbe“,
eine Stiftung Johann Rists, des bekannten Dichters und Pfarrers
in Wedel bei Altona.
Diese ganze Bewegung, in deren einzelnen Mittelpunkten
noch eine ganze Summe von nach unseren Begriffen sehr ver⸗
schiedenartigen Zielen zugleich verfolgt wurde, machte dann seit
Schluß des 17. Jahrhunderts langsam einer anderen Strömung
Platz, die in den westeuropäischen Ländern schon viel lebhafter
um sich gegriffen hatte und auf Begründung von Akademien
als ausschließlichen Arbeitsvereinigungen zur Ausdehnung zu—
nächst der wissenschaftlichen Erfahrung gerichtet war. So war
in Paris schon im Jahre 1634 eine der Sprache im all—⸗
gemeinsten Sinne, der Grammatik, Rhetorik und Dichtkunst
gewidmete Akademie entstanden, während in London aus der
freieren Académia Londinensis im Jahre 1662 die Royal
dociety mit vornehmlich naturwissenschaftlichen Zielen hervor⸗
gegangen war; ihnen folgte im Jahre 1700, ein Ergebnis der
weitverzweigten Propaganda Leibnizens für den akademischen
Gedanken, die Berliner „Königliche Sozietät der Wissen⸗
schaften“, in der sich anfangs eine Anzahl Gelehrter zusammen⸗
fand, die bisher freien Gesellschaften angehört hatten; und die
Begründung der Berliner Akademie wurde dann für verwandte
Bestrebungen auf deutschem Boden überhaupt vorbildlich.
Inzwischen hatte sich neben der gelehrten Gesellschaft auch
der schriftliche Gedankenaustausch wissenschaftlichen Charakters