30 Neunzehntes Buch. Drittes Kapitel.
zu einer festen Form gelehrter Betätigung entwickelt. Es ist
ein ähnlicher Vorgang, wie wir ihn auf dem Gebiete des poli—
tischen und kommerziellen Meinungsaustausches kennen gelernt
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Zeitschrift. Dabei hat im 17. Jahrhundert der gelehrte Brief—
wechsel noch eine außerordentliche Ausdehnung gehabt: noch
Leibniz war einer der unermüdlichsten Briefschreiber; das Ver—
zeichnis seiner Korrespondenz in Hannover weist 1054 Namen
auf. Aber im ganzen begann doch seit etwa dem letzten Viertel
des 17. Jahrhunderts schon die gelehrte Zeitschrift die Korre—
spondenz zu entlasten und abzulösen; und mit der Offentlichkeit
der Erörterung und des Nachrichtendienstes trat zugleich eine
wesentliche Erhöhung der Sachlichkeit und eine zweckgemäße
Verschärfung des Urteils ein.
Indem nun aber die Wissenschaft sich auf diese Weise
eigene Heimstätten und Einrichtungen zu ihrer Vertiefung und
Ausdehnung schuf, wuchs zugleich, als wesentlichste Bürgschaft
größerer Zukunft, eine stärkere Arbeitsteilung der gelehrten
Forschung heran. Ein Mann wie Isaak Vossius (1618 -1689)
war noch hervorragender Philologe und Naturforscher zugleich
gewesen; und nicht selten wechselten zu seiner Zeit einzelne
Gelehrte bei der Vertretung eines Universitätslehrfaches noch
zwischen naturwissenschaftlichen und geisteswissenschaftlichen
Fächern. Im 18. Jahrhundert dagegen wurde die Verbindung
weit voneinander abgelegener wissenschaftlicher Fächer schon
seltener; wenigstens die Gebiete der Naturwissenschaften und
Geisteswissenschaften erschienen im allgemeinen als getrennt;
und wenn in den Naturwissenschaften auch noch in der zweiten
Hälfte des 18. Jahrhunderts ein Professor Physices an den
Universitäten Vorlesungen von einem Umfange des Inhalts zu
halten pflegte, in den sich heutzutage vielleicht ein Dutzend von
ordentlichen Professoren der Naturwissenschaften teilt, so war
doch die Richtung auf Arbeitsteilung gerade auch auf diesem
Gebiete unverkennbar.
1 S. Bd. VI, S. 7 ff.