Vom Eintritte in das Zeitalter des Subjektivismus ab
hat unsere Erzählung über Jahrzehnte und jetzt schon Jahr—
hunderte nationaler Geschichte zu berichten, die namentlich in
ihrem Anfange gleich herrlich und von mindestens gleich großer
veltgeschichtlicher Bedeutung waren wie die der Reformation
und die der schönen Kaiserzeit des Mittelalters. Um wie viel
näher aber liegen diese Zeiten dem lebenden Geschlechte! Und
wie gut überschauen wir für sie Keime des Werdens, Wachstum,
Fruchtansatz und Reife!
Es sind Zeiten von einer Bedeutung, daß sich ihnen der
Historiker nur mit scheuem Schritte nahen wird; und wohl mag
ihm zumute werden wie Mose, da er die Schuhe auszog: denn
dieser Ort ist heilig. In früheren Jahrhunderten würde er in
derdoppelter Inbrunst die Muse angerufen haben. Und auch
heute werden wir in keinem anderen Gefühle als dem der Ehr—
furcht von den geistigen Großtaten zunächst der Männer der
zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts hören wollen, jener Ahnen,
deren persönliches Gedächtnis, von Enkel zu Enkel überliefert,
teilweis auch heute noch nicht verschwunden ist, deren Gestalten
jedenfalls schon Fleisch waren von unserem Fleisch und Geist
von unserem Geiste.
Vergegenwärtigen wir uns, bevor der Versuch gemacht
wird, eine allgemeine Charakteristik des subjektivistischen Zeit⸗—
alters in seinen hauptsächlichsten Zügen zu geben, noch einmal
kurz das geistige Wesen des Individualismus, der Zeiten also
vom 15. bis zum 18. Jahrhundert.
Man kann von ihnen sagen, daß sie den einzelnen Menschen
schon als Individuum kannten und ihm als solchem zum Leben
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