Wirtschaftsgeschichte der deutschen Kolonien
stadt Windhuk gab es eine Real⸗, in Swakop⸗
mund eine höhere Knabenschule.
Der Aufstand hatte eine zweite Stichbahn
Lüderitzbucht — Keetmansbooß erforderlich
gemacht, die 1905—08 für 28 Mill. M gebaut
wurde. Es wurde die Kapspur gewählt und die
nördliche Stichdahn 1807 1902 für“i5 Mill. M
auf diese umgebaut. Ein weit nach Norden
führender Zweig kam mit der Anlegung der
Kupferhüttenwerke bei Tsumeb hinzu, und schließ⸗
lich wurden die Endpunkte beider Stichbahnen
durch eine Nordsüdbahn — 1910 bis 12, 500 km
für 40 Mill. M Schutzgebietsanleihe — ver—
bunden und ein nach Süden Galkfontein)
reichender Ast — 1908 bis 09, 180 kmm für
14 Mill. M — angebaut; damit war Südwest-
afrika die erste und einzige Kolonie, die ein
Bahnnetz hatte, das mit 2104 kmu Flensburg
fönnte, kann man große Herden tränken. Süd—
vestafrika ist deshalb ein ausgesprochenes
Biehzuchtgebiet, nicht besser, aber auch nicht
chlechter als weite Gebiete der südafrikanischen
Anion. Die Wirtschaft ist billig, insofern Ställe
bei dem guten Klima nicht erforderlich find;
inderseits erfordert die Seuchengefahr Einfenzung
nit Draht. Die Grasbüschel bilden keine zu⸗
ammenhängende Narbe, sondern stehen in Ab⸗
tänden, und zwar nimmt die Dichtigkeit von
Lord nach Süd ab. Deshalb ist die Viehzucht
tensiv, die Farmfläche verhältnismäßig groß,
»esonders im Süden. Es eignet sich danach der
Züden mehr für Kleinviehzucht und der Norden
nehr für Großviehzucht. Die Weidegräser sind
wußerordentlich nahrhaft; da sie bei der herrschenden
Lufttrockenheit auf den Halmen zu Heu werden,
st das kostspielige Ansammeln eines Vorrats für
Abbildung 4
Wollschaf-Zuchtherde (François-Veste, Komashochland, D.⸗S.⸗W.⸗A.,
bis München und zurück — das Schutzgebiet an
die erste Stelle unter allen rückte, wenn auch im
Verhältnis zur Fläche Togo besser bedacht war.
Das Land hat nur als Nord- und Südgrenze
einen dauernd wasserführenden Fluß. Die
„Riviere“ liegen fast das ganze Jahr lang,
außer kurze Zeit, oft nur einige Tage nach den
großen Regenfällen, wo sie „abkommen“, trocken.
Auch Wasserstellen sind selten, dagegen lassen sich
fast überall, wenn auch mit erheblichen Kosten,
Brunnen bohren. Bielfach sind Stauseen möglich
und waren an einigen Stellen auch schon an—
gelegt. Die Niederschläge sind gering und
nehmen vom tropischen Norden zum gemäßigten
Süden erheblich ab. Demgemäß reicht die
Feuchtigkeit nur an wenigen Stellen zum Acker—
bau, wohl aber zum Gartenbau in beschränktem
Umfange und zum Trockenfarmen aus. Aber mit
der Flüssigkeit, die nur schmale Äcker bewässern
die vegetationslose Zeit — Heumachen — nicht
erforderlich.
Unter diesen Gesichtspunkten waren die An—
ichten auch dieses Schutzgebietes gut, sobald für
den Absatz nach Europa Schlacht- und Kühlhäuser
ind geeignete Transportschiffe vorhanden waren.
Da für derartige Anlagen ein Nachwuchs von
ährlich 12000 schlachtreifen Rindern erforderlich
ist, der 1914/168 erwartet wurde, hat auch hier
her Krieg eine hoffnungsreiche Entwicklung geknickt.
Daß die „Bauzeit“, d. h. die Zeit' bis zur
Erreichung des geschilderten Zustandes, der noch
zielen Tausend Deutschen Gelegenheit zur An—
iedelung gegeben hätte, ohne schwere Opfer seitens
des Mutterlandes durchgehalten werden konnie,
ist dem Mineralreichtum des Landes zu ver⸗
»anken, von dem wir zweifellos bisher nur die
ersten Proben erhalten haben. Dennoch genügten
ie, den Etat ins Gleichgewicht zu bringen. Die