mehr ausschließlich die der vollkommenen Reinheit: wie er selbst sagt,
ist sie nur die „große Regel der Nützlichkeit; es handelt sich darum,
ganz unbewußt die Gewohnheit anzunehmen, unsere Leidenschaften,
ohne jemandem zu schaden, zu befriedigen“ (S. 530). Mit diesen Kon
zessionen waren dem Neomalthusianismus alle Wege bereitet.
Zusammenfassend zeigt uns Malthus den Menschen an einem drei
fachen Scheidewege, einem Trivium: Auf dem mittleren Arm des Weg
weisers lesen wir: „Ins Elend“, auf dem zur Rechten: „Zur Tugend“
und auf dem zur Linken: „Ins Laster“. Er sieht, wie die Kraft eines
blinden Instinktes den Menschen auf den mittleren Weg, den Weg „Ins
Elend“ treibt. Er beschwört ihn, stark zu bleiben und einen der beiden
seitlichen Wege, wenn irgend möglich, den zur Rechten einzuschlagen.
Aber er fürchtet, daß die Zahl derer, die seinem Rate folgen, derer, die,
wie das Neue Testament sagt, den schmalen Weg des Heils wählen, nur
klein sein wird. Und andererseits will er in seiner ein wenig kindlichen
Seele nicht zulassen, daß alle Menschen den Weg des Lasters gehen; und
so reicht zuletzt keine der beiden präventiven Hemmungen aus, um ihn
über die Zukunft der Menschheit zu beruhigen, und aus diesem Grunde
fürchtet er, die Masse werde der natürlichen abschüssigen Straße folgen,
und so dem Abgrunde zueilen.
Keine Lehre ist mehr geschmäht worden, als die des Malthus.
Die Verwünschungen, die man gegen ihn schleuderte, fanden kein Ende,
und schon sein Zeitgenosse Godwin nannte ihn „jenes schwarze und
schreckliche Genie, das bereit ist, jede Hoffnung des menschlichen Ge
schlechtes auszulöschen“.
Vom wirtschaftlichen Gesichtspunkte aus hat man gesagt, daß alle
seine Voraussagungen von den Tatsachen widerlegt worden sind; vom
moralischen Gesichtspunkt aus, daß seine Lehren die widerlichsten Ge
wohnheiten erzeugt hätten, und viele Franzosen schreiben ihm die Ver
antwortung für den demographischen Niedergang ihres Landes zu. Was
soll man von diesen Kritiken halten?
Sicherlich hat die Geschichte die Befürchtungen Malthus nicht
bestätigt; im Gegenteil, sie hat uns auch nicht ein Land gezeigt, das
uu Übervölkerung zu leiden gehabt habe. In einigen, wie in Frankreich,
bat die Bevölkerung nur ganz unbedeutend zugenommen; in den anderen
ist sie stark gestiegen, ohne jedoch das Wachstum an Reichtum über
holen zu können.
üer Prostitution verfällt, daß nur ein Wunder es davor bewahren kann“ (S. 493). Und
an anderer Stelle: „Ich sage, daß die Verringerung der auf der Armut beruhenden
haster eine genügende Entschädigung für das Unheil, das man mit Recht voraussieht,
sein wird 1 * (S. 675).
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