Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

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Zweiundzwanzigstes Buch. 
Der du von dem Himmel bist, 
Alles Leid und Schmerzeu stillest, 
Den, der doppelt elend ist, 
Doppelt mit Erquickung füllest, 
Ach, ich bin des Treibens müde! 
Was soll all der Schmerz und Lust! 
Süßer Friede, 
Komm, ach komm in meine Brust! 
Wir erfahren zur Entstehung dieses Gedichtes, daß es in 
der erhaltenen Handschrift ohne Überschrift ist, aber das Datum 
„Am Hang des Ettersbergs, den 12. Februar 1776“ trägt. 
Goethe war gegen Abend dieses Tages, da Frau von Stein 
sich seine Besuche verbeten, in bitterer Bedrängnis nach dem 
Ettersberg, anderthalb Stunden von Weimar, geritten!. Dies 
das Erlebnis persönlichster Art: und aus ihm alsbald geboren 
jener rein menschliche Widerhall einer Dichtung, die Millionen 
von Herzen zum Gebet und zum Troste geworden ist. Und 
ein zweites: 
Selig, wer sich vor der Welt 
Ohne Haß verschließt, 
Einen Freund am Busen hält 
Und mit dem genießt. 
der Schluß des 
Was voun Menschen nicht gewußt 
Oder nicht bedacht 
Durch das Labyrinth der Brust 
Wandelt in der Nacht, 
Gedichtes an den Mond: 
Fülleft wieder Busch und Tal 
Still mit Nebelglanz, 
vösest endlich auch einmal 
Meine Seele ganz, 
das, ursprünglich voll persönlicher und Gelegenheitsbeziehungen, 
noch vor der italienischen Reise zu seiner heutigen twpischen 
Klarheit geläutert wurde. 
Wo aber wäre ein Ende solcher Zitate zu finden, sollte 
der Reichtum Goethischer Typik erschöpft werden? Schon 
Düntzer in Kürschners Nationalliteratur, Goethe, J. Teil, S. 67 Aum.
	        
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