Neue Dichtung.
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Aberganges besonders vor Augen halten, daß diese Idee ihrem
Ursprunge nach keine philosophische, sondern eine poetische Ab⸗
straktion, eine Idee also innerhalb der Anschauung ist. Sie
ist deshalb weit schwerer zu voller Klarheit durchzubilden als
ein philosophischer Begriff, ja vielleicht selbst ein philosophisches
System; und sie erwächst darum in jugendlichen Dichtern gern
unbewußzt und also unabgegrenzt in ihren feineren Nüancen.
Aber eben aus diesen Umständen ergibt sich auch ein besonderer
Reiz, sie zu verfolgen: die Forschung führt in die intimsten Ge⸗
lasse und Kammern des allgemeingeschichtlichen wie des persön⸗
liichen Lebens.
In den rasch aufeinander folgenden vollendeten Dramen
Goethes aus dieser Zeit, „Götz“ (1773), „Clavigo“ (1774) und
Stella“ (1776), von denen im Grunde „Clavigo“ als rasch hin⸗
geworfenes, wenn auch dramaturgisch vollendetes Gelegenheits⸗
tuck hier nicht rechnen kann, würde man vergebens nach dem
Ausdacke einer klaren Schicksalsidee suchen. Im „Götz“ waltet
m Grunde das Schicksal des frühen 16. Jahrhunderts, das—
jenige der eigenen Lebensbeschreibung Götzens, welcher Goethe
folgte: ein „lieber Vater“ lenkt das Geschick der Seinen und
führt sie durch Glück und Unglück in seinen Gnadenhimmel.
Anders freilich ist die Vorstellung in der „Stella“. Man hat
es, wie im „Götz“ mit einem besonders altertümlichen, so hier
mit einem spezifisch modernen Stoffe zu tun; „Stella“ ist eine
Problemdichtung, ein Thesendrama über das Motiv seelischer
Doppelehe. Dabei erfolgt der Ausgang ursprünglich mild:
Cecilie entsagt.
Weit mehr erkennt man Goethes Ringen, nicht Goethes
Klarheit während dieser Jahre in den herrlichen dramatischen
Fragmenten der Zeit, dem „Mahomet“, dessen Gegenstand ihn
schon 1778 beschäftigte, den Anfängen des „Faust“, dem
„Prometheus“, dem „Ewigen Juden“. In ihnen herrscht, um
s mit einem Worte zu sagen, die Faustsche Stimmung des
ersten Teiles dieses später vollendeten Dramas: tiefstes Suchen
nach Halt und Glück, innigstes Umarmen von Natur und
unumschriebenem Absoluten: Pandynamismus des sechzehnten,