Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

Neue Dichtung. 
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näherung der Dioskuren verhinderten. Ihr Verlauf ist von 
höchstem menschlichen Interesse, und für ihre Geschichte liegt 
genug an authentischen Denkmälern vor, um ihr Studium 
mmer von neuem lehrreich zu machen. Ja selbst von einem 
universalgeschichtlichen Interesse könnte man reden. Denn 
heispiellos ist die Freundschaft der beiden Großen in der Ge⸗ 
schichte aller Literaturen. 
Hier kann nur der allgemeine Zug der Dinge angedeutet 
werden; Einzelheiten könnten nur befriedigen, wenn sie voll⸗ 
ständig wären, und gehören als solche der Biographie an. 
Goethe konnte nach der italienischen Reise lange das 
Gleichgewicht seines Wesens nicht wiederfinden. Seine Seele 
schmerzte, da sie sich „unwiderstehlich zu einer unwiderstehlichen 
Verbannung“ im Norden hingezogen sah; die Lösung von der 
Dichtung der Empfindsamkeit und des Sturmes und Dranges 
und den mit ihr gegebenen literarischen Beziehungen, eine 
Lösung von großen Teilen der bisher gepflegten Amtsgeschäfte, 
die Lösung gar von der Frau von Stein besserten die Lage 
nicht: der Dichter sah sich vereinsamt. Zu alledem kam auch 
noch literarische Enttäuschung; „Iphigenie“ und „Tasso“ wurden 
vom deutschen Publikum kalt aufgenommen — wie in der 
Ferne einer anderen Welt lag die Begeisterung, die einst „Götz“ 
und „Werther“ erweckt hatten; und es half nicht, daß der 
Dichter das Publikum verachtete: 
Wer sich der Einfamkeit ergibt, 
Ach. der ist bald allein. 
So starb auch das dichterische Schaffen ab; die Jahre 1790 
his 1793 waren unfruchtbar; und was neu entstand, die 
„Römischen Elegien“, die „Venetianischen Epigramme“, blieb 
im Dunkel des Pultes verborgen — bis Schiller die Fesseln 
sprengte. 
Allerdings nahm sich Goethe 1794 wieder auf. Den ersten 
fast vegetativen Jahren im Zusammensein mit der Vulpius 
(seit 1780) war langsam ein innerliches Zusammenfassen ge⸗ 
folgt; jetzt trat es hervor; im Bau des neuen Hauses am
	        
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