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Zweiundzwanzigstes Buch.
du dieses plötzlich durch einen einzigen Gemus in reifer Zeit
aus seinen Traumzuständen zum vollen Dasein erweckte Leben,
etwa in dem Bilderzyklus von Santa Maria dell'Arena zu
Padua, vor dir: so fühlen wir auch Beethoven in der her—
gebrachten Sonatenform alsbald sich persönlich regen, so wird
uns unter seiner Hand jede Floskel, jede Koloratur, jede Blüte
der älteren Musik bedeutend, so verliert in seiner Phantasie
der musikalische Ausdruck alsbald das Spielende: und das
Klavier erscheint nicht mehr als ein einziges Tonwerkzeug,
sondern als eine Bühne gleichsam, auf der unsichtbar ein
Orchester in tausend Zungen redet. Es ist eine alsbald monu—
mentale Richtung, die sich in der orchestralen Klaviermusik
Webers und Schuberts einigermaßen fortgesetzt hat gegenüber
der rein klaviermäßigen Behandlung des Instrumentes etwa
bei Chopin und Schumann. Aber schon wird aus ihr der
Übergang zu der ersten vollen Blütezeit gewonnen; und unter
den Werken, die diesen Übergang zeigen, ragt sogar noch eine
Klaviersonate hervor, die „Pathétique“ (C-moll; Op. 183).
In der ersten Periode selbst spielt dann freilich schon die
Kammermusik als Ausgangspunkt etwa dieselbe Rolle, wie vor—
her das Klavier: ja bereits in den Quartetten noch früherer
Zeit war der Übergang vorbereitet. Aber die eigentlichen Re⸗
präsentantinnen der neuen großen Zeit im Verlaufe des ersten
Jahrzehnts des neuen Jahrhunderts wurden doch die Sym⸗
phonien; und die erste (C-dur; Op. 21) ist schon im Jahre
1800 zur Aufführung gelangt. Es war der Moment, da
Beethoven, bereits unter den harten Erfahrungen zunehmender
Schwerhörigkeit, zum Manne heranreifte: sehr spät im Ver—⸗
hältnis zu der Frühreife anderer Meister und namentlich auch
der der klassischen Zeit, und nach seiner Gewohnheit nicht ohne
die gründlichsten technischen Vorbereitungen hat er sich der
höchsten, aus der Kammermusik heranwachsenden instrumentalen
Form genähert. Aber nur wenige Jahre, und schon folgte
die „Eroika“ (1804, Ps-dur; Op. 55). Das Neue an ihr war,
daß jetzt jede Erinnerung an die bloße Schönheit der alten
absoluten Musik und damit auch jede soziale Bindung der