Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

34 Dreiundzwanzigstes Buch. Erstes Kapitel. 
Es war die Emanzipation auf dem Gebiete der Natur— 
wissenschaften. 
Konnte sich nun unter diesen Vorgängen die Königin der 
Wissenschaften von heute, die wichtigste Dienerin der Wissen⸗ 
schaften der oberen Fakultäten in früheren Zeiten, die Philosophie, 
in ihrem alten Zustande halten, der sie ebenfalls auf die 
Tradition von Wissen, insbesondere der Griechen und nament⸗ 
lich des Aristoteles, hinwies? Auch sie emanzipierte sich, und 
indem sie sich anfangs vornehmlich auf das freie Denken der 
Naturwissenschaften, später auch auf das der Geisteswissenschaften 
zu stützen begann, behauptete sie für sich das Prinzip freien 
Denkens auch für die Behandlung der Grundprobleme der 
Weltanschauung als eine libertas philosophandi, und wahrte 
diese Freiheit siegreich im Kampfe vornehmlich gegen die Theo⸗ 
logie, deren Magd sie bisher gewesen war.“ 
Erreicht war damit die Denkfreiheit auf dem höchsten 
Bebiete ihrer Anwendung überhaupt, auf dem wissenschaftlichen; 
erreicht damit zugleich eine außerordentliche Freiheit des Denkens 
in allen Fragen wenigstens des höchsten, des akademischen 
Unterrichts. 
In diesem Sinne kam denn die neue Lehrfreiheit der 
Professoren auch den Studierenden zugute; sie erhielt ihre 
Ergänzung in der Lernfreiheit dieser: und das Ganze der aka⸗ 
demischen Freiheit blühte damit empor. Die akademische 
Freiheit ist also auf deutschem Boden älter als die politische 
Freiheit, und sie ist zur Mutter dieser geworden. 
Denn es versteht sich nun wohl von selbst: mit dem an⸗ 
gehenden Subjektivismus folgten vor allem alle akademischen 
Elemente, die Lehrer und noch mehr die jugendlichen Schüler, 
enthusiastishh dem Wehen des neuen Geistes; schon die 
Empfindsamkeit, noch mehr aber Sturm und Drang sind in 
erster Stelle an deutschen Hochschulen zu Hause gewesen. Und 
als nachher der neue Most sich klärte, als die stolze Blumos 
des Klassizismus erblühte, da wurde der Zusammenhang der 
Entwicklung der Phantasietätigkeit mit der Entwicklung des 
wissenschaftlichen Denkens auf den Universitäten erst recht nicht
	        
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