Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

80 Dreiundzwanzigstes Buch. Zweites Kapitel. 
Es geschah im Nordosten nach fast radikaler Germani— 
sierung der wichtigsten heute deutschen Gebiete. Anders dagegen 
war das Ergebnis im mittleren und südlichen Osten. Während 
in den weiten Nordosten die Völker des ganzen Westens 
wanderten bis hin zu den fernen Holländern und den Vlaemen 
am Armelkanal, während hier auch Franken, ja selbst Schwaben 
heimisch wurden und der Wasserweg der Ostsee von dem Haupt⸗ 
hafen Lübeck aus leichte Zugangswege bis in die Weiten der 
heutigen russischen Ostseeprovinzen eröffnete, während endlich 
die agrarischen Siedlungen hier wirtschaftlich verbunden und 
zusammengefaßt wurden durch die Entwicklung des großen 
Handelssystems der Hanse, wurde schon dem mittleren Osten 
eine so günstige Entwicklung nicht zuteil. Hier widerstrebte 
Böhmen in den zentralen Teilen seines Kesselgebietes der 
bölligen Germanisierung und Aufsaugung der slawischen Be— 
wohner; nur wenige Einfallstore einer großen Siedlungs⸗ 
bewegung bot es von Westen her; vom deutschen Verkehr 
wurde es noch im 15. Jahrhundert vielfach derart umgangen, 
daß ein großer Teil z. B. des Nürnberger Handels nach 
Breslau über Leipzig lief; und so hielt sich hier, ein Pfahl 
im Fleische, mitten in dem kolonisatorischen Deutschland eine 
starke slawische Bevölkerung. Aber auch im Südosten gelang 
die Germanisation nicht in dem Radikalismus, mit dem sie sich 
im Norden, namentlich zwischen Elbe und Oder, schließlich 
durchgesetzt hatte. Die orographische Gestaltung des Landes war 
hier zu verwickelt, die Zahl der Zugangswege zu gering und 
fast auf das Donautal beschränkt, die Möglichkeit ausnahmslos 
geschlossenen Vorgehens beinahe ebensowenig gegeben als die 
Möglichkeit späterer ununterbrochener Verbindungen durch einen 
alles Land gleichmäßig durchspielenden Handel. Dazu kam, daß 
das mutterländische Gebiet im Süden weniger Auswanderer 
lieferte, daß die Kolonisation zwar früher begann, aber eben 
darum von Anfang an weniger massenhaft verlief. Und so 
wurde denn der Südosten wohl von deutschen Elementen reich 
durchsetzt, und in den reichen Alluvialgebieten der größeren Flüsse 
bildeten sich auch starke zusammenhängende Siedlungen: aber
	        
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