Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

158 Dreiundzwanzigstes Buch. Zweites Kapitel. 
zuerst unglücklich; 1799 war das Ehrenjahr Erzherzog Karls 
und Suworoffs. 
Da kam Bonaparte aus Agypten zurück, stürzte am 
18. Brumaire (9. November) 1799 das Direktoire und errichtete 
die Konsularregierung mit sich selbst als Regenten: in Wahr— 
heit schon jetzt fast absolutem Herrscher, noch ehe er 1804 
auch den Titel des Kaisers annahm. Von diesem Augenblicke 
an änderten sich die Dinge. Napoleon wußte den Zaren von 
der Koalition abtrünnig zu machen; schon 1800 begann sich 
dieser mit dem neutralen Preußen zu verständigen. Auf diese 
Weise war sterreich im Osten isoliert; in mancher Hinsicht 
wiederholte sich die Lage der letzten Phase des Ersten Koalitions— 
krieges; das Jahr 1800 brachte einen Doppelfeldzug südlich und 
nördlich der Alpen gegen sterreich; in Italien siegte Napoleon 
bei Marengo, in Süddeutschland Moreau bei Hohenlinden 
14. Juni, 8. Dezember). 
Und wiederum blieb Hsterreich nichts übrig, als Frieden zu 
chließen. Der Vertrag von Lunséville, vom 9. Februar 1801, 
brachte nicht viel neue Abmachungen; aber er sanktionierte und 
veröffentlichte nun all die geheime Schande der Abmachungen von 
Basel und Campo-Formio. Die französischen Tochterrepubliken, 
der batavische, helpetische, zisalpinische, ligurische Freistaat, jene 
Augenblicksbildungen, die wie Pilze auf den alten westlichen 
Bollwerken des Reiches aufgesproßt waren, wurden anerkannt; 
das Heilige Reich trat nun wirklich alles Land links des Rheins 
an Frankreich ab: 1150 Quadratmeilen mit 31/0 Millionen 
Einwohnern: und die Festungen rechts des Rheinufers, jetzt 
seine Grenzfestungen, Düsseldorf, Ehrenbreitstein, Kastel, Kehl, 
Philippsburg, Altbreisach, wurden von den Franzosen, bevor sie 
abzogen, vertragsmäßig geschleift. 
Darauf begann, nachdem nunmehr der Landverlust von so 
vielen Reichsfürsten jenseits des Rheins feststand, erst recht der 
Wettlauf um Entschädigungen: nicht bei Kaiser und Reich, die 
nichts mehr zu sagen hatten, sondern in Paris, und hier in 
den meisten Fällen noch nicht einmal bei Napoleon oder 
Talleyrand, sondern bei den Halbsubalternen des diplomatischen
	        
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