Sprengung des alten Reiches und der alten Staatsverhältnisse. 173
Mutterlande, die Wirkung. Der Siebenjährige Krieg mit
seinen auch nach dem Westen zu übergreifenden Wechselfällen,
insbesondere dem Siege der Preußen über die Franzosen bei
Roßbach, machte Preußen zum ersten Male etwas populärer
und die Welt am Rheine wenn auch nicht preußisch, so doch
ein wenig Fritzisch: das Preußen Friedrichs, wenn auch noch nicht
Preußen überhaupt erschien dem Deutschen zum ersten Male
als eine Österreich vielleicht in manchem Stücke ebenbürtige
Macht.
Diese Anerkennung hat dann König Friedrich in seinen
alten Tagen benutzt, um sterreich im Reiche entgegenzutreten.
Es war die erste konsequente Nebenbuhlerpolitik der beiden
deutschen Großmächte auf dem Boden des Reiches selbst, wenn
sie auch noch mit vielen partikularistischen Motiven verknüpft
erschien und sich selbstverständlich im Bereiche und mit den
Mitteln der partikularen Territorialpolitik abspielte.
Anlaß aber zu diesem ersten innerdeutschen Waffengange gab
Osterreich. War es ein Zug des zugleich in besonders hohem
Grade deutschen Wesens Josephs II., daß er der Expansions⸗
politik Osterreichs nach Süden und Osten noch den Versuch
einer Ausdehnung nach Westen, nach dem Rheine zu, hinzu⸗
fügte? War es nur Ausdruck seines unruhigen Wesens
überhaupt? Auch Maria Theresia und Josephs Nachfolger
haben sich vor Anschlägen gegen Bayern nicht ferngehalten;
uur daß Joseph sie viel energischer aussprach und durch—
zuführen suchte. Dem trat nun Friedrich der Große ent⸗
gegen. Es kam zu einem freilich überaus matt geführten
üriegen; im Frieden von Teschen (1779) erhielt Hsterreich nur
das bayrische Innviertel, während Preußen seine Anwartschaft
auf Ansbach-Bayreuth durch Osterreich gewährleistet erhielt:
auf jenes hohenzollernsche Frankenland jenseits des Mains
also, auf das es schon lange rechnete. Im Jahre 1791 hat
dann der letzte Markgraf noch bei Lebzeiten sein Land gegen
eine Geldabfindung an Preußen abgetreten. Es handelte sich
1 S. Band VII, 2, S. 814 ff.