Sprengung des alten Reiches und der alten Staatsverhältnisse. 183
Durchzug durch Schlesien und Mecklenburg und ließ Hannover
besetzen; aber der Koalition beizutreten zögerte er dennoch.
Vielmehr wiegten sich die preußischen Diplomaten Haugwitz
und Hardenberg noch immer in Großmachtsträumen einer
durch Preußen herbeizuführenden bewaffneten europäischen Ver—
mittlung; am 3. November 1808 schlossen sie mit Rußland und
sterreich einen dahin gehenden Vertrag; und erst wenn diese
Vermittlung scheitern sollte, wollte Preußen, am 15. Dezember
1805, der Koalition beitreten: unter der Aussicht, für seine
Dienste Hannover zu erhalten.
Spinngewebe, die Napoleons Sieg bei Austerlitz (2. De—
zember 1805) mit eins zerriß.
Nach Osterreichs Niederlage aber, an dem nämlichen
15. Dezember, an dem es nach den Bestimmungen des Ver—
trages vom 3. November, wären die Vorbedingungen realisiert
gewesen, auf die Seite der Koalition hätte treten müssen:
—D
Schönbrunn, der ihm Hannover einbrachte, und in welchem es
die von Napoleon geplante Zerstückelung Ästerreichs, so etwa,
wie sie nachher der Preßburger Friede bestimmt hat, guthieß.
Das war denn freilich vortrefflich gehandelt. Schutze und
Trutzbündnis mit Napoleon, enorme Vergrößerung im deutschen
Nordosten, Österreich wehrlos den von Preußen gebilligten Ge⸗—
lüsten seines schlimmsten Feindes überliefert.
Glaubte man in Preußen wirklich, in dieser Art für sich
zu sorgen — und meinte man gar, auf diese Weise deutsch zu
handeln?
Das Land war seit dem Tode Friedrichs des Großen von
Jahr zu Jahr mehr vom Pfade ehrlicher und kluger Diplo—
matie, vom Sinne für das, was deutsch heißt, von der Für—
sorge für seine Stellung im Reiche, man braucht noch gar nicht
einmal zu sagen für seinen deutschen Beruf gewichen. Schwach
und aus Schwäche gefährlich, sich und andern untreu hatte
sich seine Politik gezeigt.
Osterreich hatte inzwischen, gewiß zunächst in eigner Sache,
aber doch auch im Sinne nationaler Fürsorge, den Kampf