Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

314 Dreiundzwanzigstes Buch. Drittes Kapitel. 
diese Einnahmen nicht einmal das Budget, geschweige denn 
die Kasse passierten, noch nicht aufgehört hatten, so wurden 
jetzt erst für das Rechnungswesen voll geldwirtschaftliche Grund⸗ 
sätze eingefuhrt; und neben die Einnahmen aus den Finanz⸗ 
juellen eines noch halb hausväterlichen Absolutismus traten in 
immer erhöhtem Maße rein staatliche Einnahmequellen, ins⸗ 
besondere aus Steuern. 
Neben der Regelung der Finanzen und der Beschaffung der 
Kontributionen beschäftigte Stein und teilweise auch noch seinen 
Nachfolger in der ersten Periode der Reform vor allem die 
Reorganisation der Staatsverwaltung. 
Da mußte denn an erster Stelle endlich der Kabinettsrat 
der Not der Zeit weichen. Aber darüber hinaus wurde auch 
die eigentliche Zentralverwaltung umgebildet. Hatte sie bisher 
in der Bestallung und Tätigkeit der Minister nach wenigstens 
teilweise regionalen Grundsätzen noch immer an die Zeiten 
erinnert, da Brandenburg-Preußen aus sehr verschiedenen 
Ländern erst zusammengewachsen war, so daß es nötig erschien, 
diese einzelnen Länder an der Zentralstelle auch durch einzelne 
Minister vertreten zu sehen, so wurde jetzt das Regionalsystem 
verlassen und an dessen Stelle ein Realsystem mit einem Kol— 
legium von fünf Fachministern entwickelt. Es war eine 
Wandlung, die allerdings den König, da ihr die Kontrolle 
durch eine Volksvertretung auf lange Zeit hin noch nicht zur 
Seite trat, später in entscheidender Weise dem Einflusse der 
hohen Bureaukratie unterworfen hat. 
Natürlich aber war mit der Vereinfachung der Ministerien 
zugleich auch eine Vereinfachung der obersten Verwaltungs⸗ 
stellen und mit dieser wieder eine nicht unbedeutende Er—⸗ 
sparnis verbunden. In gleichem Sinne wurden aber auch die 
unteren Verwaltungszweige vereinfacht. Zudem wurde die 
Beamtenlaufbahn ganz allgemein nach den Anforderungen 
eines modernen Staatswesens geregelt; insbesondere sollte der 
Erfolg in ihr nicht mehr von Geburt oder anderen äußeren 
Umständen, sondern allein von der Tüchtigkeit der Leistungen 
und des Charakters abhängen.
	        
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