Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

Neue Anschauungen von Staat und Gesellschaft. 19 
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Aber wenn wir auch von diesen so ganz äußerlich zu— 
age tretenden Verfallszeichen des Fürstenideals absehen 
möchten —: schlimmer wirkte auf die Dauer eine innere, 
Hronische Schwäche, wie sie sich, bei allem scheinbagren Glanze 
der Finanzen, in Heer und Verwaltung allmählich einschlich. 
Die Beamten blieben oder wurden wiederum, wo in⸗ 
zwischen das Amtswesen einen gewissen Aufschwung erfahren 
hatte, zu Hofdienern; in Württemberg z. B. mußten wohl gar 
alle Kanzleiverwandten bei Strafe des Verlustes einer vierlel⸗ 
jährlichen Besoldung mit ihren Weibern und Töchtern auf den 
herzoglichen Karnevalsredouten erscheinen: elende Statisten 
von schlechter Besoldung, bei denen womöglich von Zeit zu 
Zeit einmal aus Mangel an Geld in den fürstlichen Kassen 
das Gehalt ausblieb. Was konnte man von ihnen, was von 
jenen Mietlingen erwarten, die nicht selten Amter verwalteten, 
deren eigentliche Inhaber, Adlige der Gegend, nur Titular— 
beamte waren! Willkür der Entscheide, hohe Sporteln, wenn 
nicht gar hohe Trinkgelder waren die Folgen. Dazu war 
dies Beamtenvolk auch bei redlichem Tun noch nicht einmal 
seiner Stellung sicher. In einigen Staaten, den hochstehenden 
und fortschreitenden, hatte der Beamte allerdings bereits und 
namentlich auch dadurch öffentlichen Charakter, daß er nur bei 
nachgewiesener Pflichtverletzung entlassen werden konnte, so in 
Sachsen, so in dem Preußen Friedrichs des Großen. Aber 
im ganzen waren willkürliche Absetzungen doch noch gewöhn⸗ 
lich, so oft sie auch das Reichskammergericht als ungesetzlich 
bezeichnet hatte; in Osterreich find nach dem Regierungsantritte 
Josephs II. binnen zwei Jahren über zweitausend Zivilbeamte 
eils unter Anweisung eines ganz geringen Ruhegehalts, teils 
ohne jede Pension außer Aktivität gesetzt worden. Ließ sich 
da von solchen Beamten eine freudige Verwaltung erwarten? 
Allenfalls in Preußen war davon zu sprechen, wenngleich sich 
das System im Jahre 1806 hier ebenfalls als morsch erwies; 
und sehen wir von dem durchs chnittlichen Elend in den kleineren 
Staaten ab, so fand Joseph JII. auch für Osterreich, es werde 
„zwar viel befohlen und expediert, aber auf die Befolgung 
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