Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

3588 Dreiundzwanzigstes Buch. Viertes Kapitel. 
Strub und schlugen die kaiserliche Truppe Chastelers am 
13. Mai bei Wörgl so, daß das kleine Heer so gut wie zer— 
sprengt schien. 
Es war zu der Zeit, da sich Erzherzog Johann mit seinem 
Heere immer mehr nach dem östlichen Innerösterreich gedrängt 
sah, um schließlich bei dessen ungarischer Grenze anzulangen. 
So lag es denn in der Natur der Verhältnisse, daß die Reste 
der kaiserlichen Truppen in Tirol auch nach Osten auswichen, 
um sich, unter fast völligem Aufgeben des Landes, mit dem 
Heere Johanns zu vereinigen: und bald sahen sich die Tiroler, 
so schwankend auch die Kaiserlichen in ihren Rückzugsplänen 
waren, fast nur auf sich selber angewiesen. Aber sie ver— 
zweifelten nicht. Nach einem Kriegsrat auf dem Brenner 
riefen die Hofer, Teimer, Hormayr die Bauern von neuem zu 
den Waffen, und nach wenigen Tagen standen deren 12000 
auf dem Brenner zum Kampfe bereit. 
Und da war denn kein Haltens, mochte auch das Unglück 
inzwischen den Kaiser und das Haus sterreich bis zum 
Außersten heimsuchen. Die Bauern aus dem Süden unter 
Andreas Hofer, aus dem Pustertale, aus dem Tale des 
schnellen Eisack, aus Passeier und Meran rückten über den 
Brenner vor auf Innsbruck. Und noch vor dem engen Aus—⸗ 
gange der Brennerstraße in die lachenden Felder um die Abtei 
Wilten und die Stadt Innsbruck selbst stießen zu ihnen die 
Bauern aus dem Unterinntale, die Joseph Speckbacher auf— 
gerufen hatte, und auch die Freunde aus dem Oberinntale 
wurden erwartet: weshalb man, wie schon einmal, einen An— 
griff auf die Bayern in der Landeshauptstadt beschloß. Wie 
Hofer den Oberinntalern mitteilte: „Wir wollen die Boaren 
mit Hilf' der göttlichen Mutter fangen oder erschlagen und 
haben uns zum liebsten Herzen Jesu verlobt. Kommt uns zu 
Hilf'; wollt ihr aber g'scheidter sein, als die göttliche Für⸗ 
sichtigkeit, so werden wir es ohne Euch richten.“ Es war der 
Entschluß, der zu dem ersten schweren Kampftage am Berge 
Isel führte, da wo die Brennerstraße ins Tal tritt; und man 
mag sich leicht vorstellen, wie dieser Kampf verlaufen mußte,
	        
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