Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

Die Freiheitskriege: 1809, 1815. 
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in dem religiöser Fanatismus und ingrimmig gewordene Liebe 
zu Weib und Kind, zu Hof und Land zum Gefechte trieben. 
Unter dem göttlichen Segen, Heiligenbilder im Zuge rückten 
die Bauern auf einer Meilen weit verzweigten Kampfeslinie im 
Morgengrauen des 29. Mai vor, durch Abgrund und enge 
Talsohle, von den Bergen her und auf den grünenden 
Matten des Vorgebirgs: ein linker Flügel unter dem Kapu⸗ 
zinerpater Joachim Haspinger, der wehrlos, nur mit einem 
Bergstocke führend, Beweise eines nichts scheuenden Mutes 
gab, im Zentrum der Sandwirt, auf dem rechten Flügel, der 
om Unterinntale mit einzugreifen hatte, an der Stelle, da 
sich ein wirklich strategisches Talent entfalten konnte, Speck⸗ 
hacher: die Männer mit allen Arten von Gewehr bewaffnet, 
schwerfällig, aber wuchtig und treu. So stießen sie ins Tal 
vor, und keinerlei Gegenstoß der Bayern verfing. Gewiß gab 
es in diesem wundersamen Kampfe gefährliche Augenblicke für 
heide Seiten, aber um 3 Uhr des Nachmittags mußten sich 
die Bayern auf Wilten zurückziehen; und als die Oberinntaler 
um einiges später von Westen her die Bayern flankierend in 
Sicht kamen, war das Schicksal des Tages entschieden. In 
der Nacht entwichen die bayrischen Truppen im geordneten 
Abzug eines kriegsgeübten Heeres den Inn abwärts, um 
schließlich, Anfang Juni, das Land völlig zu räumen. Die 
Bauern aber, gleich den Germanen der Urzeit, waren nicht 
zu einer Verfolgung zu vermögen, so sehr deren Nutzen manchen 
Führern einging; sie zogen in Innsbruck ein und taten sich 
dort gütlich oder wanderten ruhig wieder der Heimat zu. 
So waren denn die Monate Juni und Juli für Tirol 
wieder eine Zeit der Freiheit; und noch befanden sich einige 
kaiserliche Truppen zum Schutze nach außen und zur Aufrecht⸗ 
erhaltung der inneren Ruhe im Lande. Wie aber wurden 
nicht wenige des getreuen Volkes an der ganzen Lage, ja 
einen Augenblick fast an sich selber irre, als jetzt die Nachricht 
bon dem Waffenstillstande zwischen den Franzosen und den 
Kaiserlichen ins Land drang! Und Tirol war außerhalb der 
Detnarkationslinie gelegen: war also den Bayern und Franzosen
	        
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