380 Dreiundzwanzigstes Buch. Viertes Kapitel.
wurde abgewiesen: „für den Augenblick sei Österreich ganz
außerstande, Hilfe zu gewähren; und das, was in der Folge
geschehen könne, werde von den Umständen abhängen“.
In Berlin langten diese Nachrichten etwa in dem Augen⸗
blicke an, da die Franzosen den König durch den Einmarsch von
15 000 Mann neuer Truppen in Brandenburg darauf aufmerk⸗
sam machten, es sei nun an der Zeit, sich in dem französischen
Freundschaftsbunde zu erdrosseln. Da loderten denn wohl selbst
bei Friedrich Wilhelm Scham und Ehrgefühl empor; nun
heiße es Krieg; das Netz dieser unverschämten Liebenswürdig—
keiten müsse zerrissen werden: und schon war die Stunde des
Weggangs des Königs aus Berlin, des Signals der Erhebung,
bestimmt. Da kam, am 24. Februar 1812, die Nachricht aus
Paris, der Gesandte Krusemarck habe das Bündnis mit
Frankreich abgeschlossen. Und der König atmete auf. Und er
begrüßte das Bündnis als Rettung!
Das Heer wurde jetzt den Franzosen ausgeliefert: keine
Truppenversammlung mehr, keine militärische Bewegung ohne
ihre Erlaubnis. Kolberg und Graudenz kamen unter den
Befehl des französischen Generalstabs. Für den Kriegsfall —
und wer wußte nicht schon, daß es der Kriegsfall gegen Ruß—
land war! — mußte ein Bundesgenossenkorps von 20000 Mann
und 60 Geschützen gestellt werden.
Von den Patrioten brachte Scharnhorst jetzt dem Staate
das äußerste Opfer, ihm gleichwohl weiter zu dienen. Blücher
dagegen, Gneisenau, Clausewitz, Boyen, viele andere junge
Offiziere nahmen den Abschied: sie wollten nicht für Napoleon
kämpfen. Gneisenau ging nach England, Clausewitz und
Boyen und manch anderer nach Rußland, diese, um in die
deutsche Legion des Zaren einzutreten. Nach Rußland ging
auch, einer Aufforderung des Zaren folgend, der Freiherr vom
Stein; wie froh war Metternich, daß der unbequeme Mann
den österreichischen Boden — er hatte erst in Brünn, dann in
Prag gelebt — nun noch eben zu rechter Zeit verließ.
Für den, der die schlummernden Kräfte der Nation nicht
in Rechnung stellte — und vielleicht selbst für den, der dies