392 Dreiundzwanzigstes Buch. Viertes Kapitel.
des Landes, für die eine kommerzielle oder politische Mitherr—
schaft über die Ostsee Bedürfnis ist, nicht von Vorteil. In
derselben Lage war aber, nur mit Rücksicht auf die Nordsee,
ia bei seiner gewaltigen seetüchtigen Bevölkerung und seinen
von alters her engen Beziehungen zu England wohl noch mehr
Norwegen. Aber Norwegen war mit Dänemark verbunden.
Unter diesen Umständen lag es der schwedischen Politik nahe,
den Widerstand gegen die Kontinentalsperre mit einem scharfen
Gegensatze gegen Dänemark zu verbinden, aus dem schließlich
Krieg und die Erwerbung Norwegens oder auch die Herstellung
eines Doppelbruderreichs von Schweden und Norwegen hervor⸗
gehen konnte. Es waren Gedanken, die schon, wenn auch noch
nicht in dieser ausgesprochenen und allseitigen Form, den Haß
des Schwedenkönigs Gustav IV. gegen Napoleon mit begründet
hatten. Und sie blieben auch bestimmend für dessen Nachfolger
Karl XIII., ja sie lagen so in der starken Richtung einer
wohlverstandenen schwedischen Politik, daß sie nicht minder
von dem Marschall Bernadotte, bisher dem Waffengefährten
Napoleons, angenommen, ja erst recht begünstigt wurden, als
dieser, im Sommer 1810, bei der Erbenlosigkeit des alten
Königs, zum Kronprinzen von Schweden gewählt worden war.
Mußte nun diese allgemeine Lage schon Schweden bei einem
Kampfe Fraukreichs gegen Rußland auf die Seite Rußlands
treiben, so fehlte auch der besondere Anlaß nicht, als Napoleon,
der Schwedens sicher zu sein glaubte, die schwedische Eigen⸗
liebe verletzte, indem er Schmuggler, die in Schwedisch⸗Pommern
ein freilich besonders einträgliches Handwerk trieben, innerhalb
des schwedischen Herrschaftsbereichs durch französische Truppen
verfolgen ließ. Am 5. April 1812 kam ein Bundnis zwischen
Rußland und Schweden zustande.
Nicht minder aber glückte es dem Zaren, kurze Zeit
darauf mit der Türkei wenigstens zum Frieden zu gelangen.
Der immer noch fortwährende russisch-türkische Krieg, eine
Wunde, die Napoleon trotz aller Freundschaftsbezeugungen
gegen Rußland immer wieder dazu beigetragen hatte offen zu
halten, war nach dem Tilsiter Frieden, nun unter freudiger