138 Dreiundzwanzigstes Buch. Viertes Kapitel.
Werk aus sich immer ein lichtes Andenken um Lützow und
seine Schar und ihre und verwandte Kämpfe breiten wird,
Theodor Körner. Noch wenige Stunden vor seinem Tode hatte
er das Schwertlied gedichtet: da wurde der Schwertbräutigam
selbst von einer Feindeskugel zum Gastmahl der Helden gerufen.
Kaum war der Tag uns aufgegangen,
Umhüllt noch lagen Berg und Tal,
Da küßte mit den Rosenwangen
Die Freiheit dich im Morgenstrahl.
Und eh' die Sonne noch erstiegen
Die freie Bahn im goldnen Glanz,
Ach! Um die edle Stirne fügen
Die Freunde dir den Totenkranz.
(Sr. Chr. Förster.)
Da Davoust keine Verbindung mit der Wittenberger
Armee aufsuchte, so blieb Ney, dem an Stelle Macdonalds der
Befehl über den zweiten Vormarsch gegen Berlin anvertraut
worden war, nichts übrig, als ihn allein zu versuchen. Am
4. September brach er dazu von Wittenberg auf, schlug
Tauentzien bei Zahna, auf dem Wege nach Jüterbog, und
glaubte damit, da er aus dem zähen Widerstande des
Tauentzienschen Korps auf eine viel zu große Stärke des
gegenüberstehenden Feindes schloß, sich den Weg nach Berlin
überhaupt erkämpft zu haben. Es war eine bittere Täuschung.
Am 6. September geriet er bei Dennewitz mit weiteren Preußen
der Nordarmee unter General von Bülow in einen Kampf,
der, nach anfänglich harter Arbeit der Landwehr wiederum des
Tauentzienschen Korps, mit einer vollen Niederlage der Franzosen
endete. Ney blieb darnach nichts übrig, als die kärglichen Reste
seiner Armee bei Torgau über die Elbe nach Westen zu führen;
aber selbst die Stellung Napoleons in Dresden erschien ihm
jetzt ernstlich gefährdet.
Und war sie es nicht in Wirklichkeit? Schon nahten in
diesem Augenblicke von Süden her, aus dem Erzgebirge, die
Kolonnen der reorganisierten böhmischen Armee: sollte der Kaiser
sich ihnen, unter so ungünstig veränderten strategischen Gesamt—