464 Dreiundzwanzigstes Buch. Fünftes Kapitel.
Am 31. März 1814 zogen Zar Alexander, König Friedrich
Wilhelm und Schwarzenberg in Paris ein: nicht umgeben
von den in hartem Feldzuge verlumpten und zerrissenen Truppen
der Nordarmee, sondern von den hübsch propren Garden der
Hauptarmee, die erst ganz zuletzt in den Pulverdampf des
Kampfes gekommen waren.
Napoleon aber faßte, während die Bevölkerung den Alliierten
zujubelte, den furchtbaren Entschluß, Paris zu stürmen. Doch
nur der gemeine Soldat hing ihm noch an, die Offiziere
weigerten den Gehorsam. Und bald war in Paris eine provi⸗
sorische Regierung gebildet, die unter gemeinen Schmähungen
die Absetzung des Kaisers aussprach. Da entsagte denn Napoleon,
angeblich nach einem Selbstmordversuche, am 11. April zu
Fontainebleau dem Throne; und am 4. Mai landete er auf
dem einsamen Elba, das ihm mit einer Jahresrente von 21/2 Mil⸗
lionen Francs als souveränes Fürstentum zugewiesen war.
In Paris war inzwischen eine volle politische Restauration
erfolgt. Das Volk hatte das kaiserliche Idol vernichtet; auf
seiner Fahrt durch den Süden Frankreichs ist Napoleon beinahe
der Wut des Pöbels zum Opfer gefallen.
Der Graf von Provence, Bruder König Ludwigs XVI.,
hatte es unter diesen Umständen, bei gleichzeitiger Konnivenz
der Verbündeten, die bald dem Zauber der Pariser Luft und
des zivilisierten Frankreichs unterlagen, leicht, sich als Herrscher
Frankreichs zu betrachten; alsbald ernannte er seinen ener—⸗
gzischeren Bruder, den Grafen Karl von Artois, zum Statthalter;
und am 3. Mai zog er selbst aus englischer Verbannung in
Paris ein und bestieg als Ludwig XVIII. den Thron seiner
VBäter.
Mit seiner Regierung, in die für das Auswärtige der
schlaue, dem Sattel einer jeglichen Art von Regiment gewachsene
Talleyrand eintrat, wurde am 30. Mai 1814 der Friede zu
Paris geschlossen.
Die Friedensbedingungen waren freilich nach allem Vorauf⸗
gegangenen einfach zu formulieren, soweit nicht die innere Lage
Deutschlands hineinspielte: und die Einzelheiten dieses Themas