Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

168 Dreiundzwanzigstes Buch. Fünftes Kapitel. 
Friedensversammlung zu Münster und Osnabrück zu lösen 
gehabt hatte. 
Dennoch gab es in diesem Chaos für das Grobe der 
größten Auseinandersetzungen einige leitende Motive, und 
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den Absichten der vier großen Mächte gegeben, die sich die 
Leitung des Land- und Herrschaftsmarktes vorbehalten hatten. 
Da war nun zunächst England in der guünstigsten Lage. 
Es hatte durch den Pariser Frieden schon den Moment der 
Sättigung erreicht: es konnte nur etwa noch Anspruch auf die 
Jonischen Inseln machen sowie die Sache der Niederlande und 
wohl auch noch die Italiens in seinem Interesse weiter zu regeln 
suchen. In beiden Fällen aber mußte ihm die Hilfe Frank— 
reichs erwünscht sein. Ergab sich dadurch eine Neigung zu 
jenem Frankreich, das durch den Pariser Frieden von dem 
Bebietszuweisungsgeschäft ausgeschlossen war, so konnte ihr 
doch wieder die richtige Auswägung des englischen Vorteils 
bei der Ordnung der mitteleuropäischen Verhältnisse entgegen— 
wirken. Denn hier ging das französische Interesse auf ein 
möglichst unkräftiges und wehrloses Deutschland, wie es am 
besten durch ein System von selbständigen Mittelstaaten gewähr⸗ 
leistet wurde, die sich gegenseitig die Wage hielten, während 
England, bei einem etwaigen Gegensatze gegen Frankreich, 
neben den gekräftigten Niederlanden eines stärkeren Deutsch— 
lands bedurfte, das im Rücken des französischen Gegners in 
Rechnung gestellt werden konnte. Bei diesem Gesamtcharakter 
seiner auswärtigen Beziehungen war England in dem künftigen 
Kongresse leicht in der Lage, den Unparteiischen zu spielen und 
eben von diesem Standpunkte aus auch seine geringen noch 
übrig gebliebenen positiven Wunsche durch die Gefälligkeit aller 
casch erfüllt zu sehn. 
Neben England konnte Osterreich als der für den Kongreß 
zweitgünstig situierte Staat gelten. Nach dem System der 
Metternichschen Politik hatte es, abgesehen von einer ihm 
vorteilhaften Lösung der deutschen Verfassungsfrage, seine. 
Kompensationen wesentlich in Italien zu suchen: eine starke
	        
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