Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

Die Frühromantik. 
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die Heldenverehrung der Empfindsamkeit und des Sturmes 
und Dranges gegenüber der von der Geschichtswissenschaft 
noch dazu intellektualistisch aufgeputzten Forderung des FNdo 
cι_ν—ο[ dord der Gegenwart; wie mangelt, charakteristisch 
genug, zu dem innigen Freundschaftskulte des 18. Jahrhunderts 
im ausgehenden 19. Jahrhundert und in der Gegenwart fast 
jegliche zutreffende Parallele! 
Forschungen wie die, auf denen die soeben kurz durch⸗ 
geführte Vergleichung der beiden subjektivistischen Perioden be⸗ 
ruht, werden heute erst selten angestellt, wenn sie überhaupt 
schon eingeleitet worden sind: wertvolle methodische Behelfe 
werden sie erst für eine Kulturgeschichte der Zukunft bilden1. 
Dann wird man ihnen auch sehr genaue Einzelheiten zur 
Charakteristik der verschiedenen Kulturzeitalter verdanken. Einst⸗ 
weilen wird es vorsichtig sein, ihnen nur die allergröbsten und 
unwiderleglichsten Schlüsse zu entnehmen. Gleichwohl ergibt 
ich auch so schon eine beträchtliche Anzahl von Leitmotiven 
für die Charakteristik der beiden Perioden. 
Kein Zweifel zunächst, daß die zweite Periode gleichsam 
als ein Komparativ der ersten erscheint: die Ausschlagsstellen 
des Seelenlebens arbeiten sozusagen mit ausgesprocheneren, über 
den Bestand des 18. Jahrhunderts hinaus entwickelten Formen. 
Und kein Zweifel auch, daß die Entwicklung in der zweiten 
Periode härter, gewaltsamer verläuft, so sehr man sich hüten 
muß, in Dingen, die wir nach unserer heutigen Sprache kaum 
anders als mit Worten ausdrücken können, die eine levis nota 
enthalten, alsbald auch schon Krankheiten an sich und nicht 
bloß Entwicklungskrankheiten zu erblicken. Aber beruht die 
akzessorische Eigenschaft des Brutalen und Gewaltsamen nicht 
Zum begrifflichen Gerüst der vorgetragenen Ansichten vergleiche 
man die Psychologie von Lipps, außerdem den Anfang von Lipps, Zur 
Pfychologie der Dekadenz, in Graf Hoensbroechs Deutschland, 1904. Für 
die Methodik ist auch von Interesse R. Baerwald, Psychologische Faktoren 
des modernen Zeitgeistes (Schr. der Ges. f. psycholog. Forschg. Heft 15). 
—* s. des Verfassers Moderne Geschichtswissenschaft, namentlich 
S. 51 ff. 
Lauprecht, Deutsche Geschichte. X.
	        
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