Die Frühromantik.
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Man muß sich mit der Vorstellung dieser eigenartigen
Stellung der Romantik, die natürlich im einzelnen tausend
Verwicklungen zur Folge hat, ganz erfüllen, will man ihren
Verlauf verstehen.
Dabei ist die äußere Chronologie dieses Verlaufes einfach
genug, namentlich wenn man sich dafür zunächst an das Gebiet
der literarischen Entwicklung, als das am leichtesten übersichtliche,
zu halten sucht. Eine Vorperiode kann man durch Matthisson
Gedichte 1787), auch wohl durch Jean Paul, insofern dieser
einige Eigenschaften der Romantik vorwegnimmt, bezeichnet sehen.
Man würde damit allerfrühestens auf etwa die Mitte der achtziger
Jahre als auf den literarischen Anfangstermin gelangen. Damit
würde sich vertragen, daß in einigen Gegenden, vor allem in
Schwaben, die Romantik unmittelbar aus Sturm und Drang
hervorgewachsen ist.
Voll setzt dann die Zeit der Frühromantik mit dem Denken
der großen Philosophen ein: Fichtes Kritik aller Offenbarung
vom Jahre 1792, und vor allem seine Wissenschaftslehre von 1794
eröffnen da den Reigen; auf die Höhe führen Wackenroders
Herzensergießungen (1797), Friedrich Schlegels Griechen und
Römer (1797), die Bücher Schellings zur Philosophie der Natur
1797) und über die Weltseele (1798) sowie Schleiermachers Reden
über die Religion (1799); der über Novalis Schriften (1802)
erfallende Abschluß wird durch Hegels erstes entscheidendes Buch,
die Phänomenologie des Geistes, vom Jahre 1807 gekennzeichnet.
Inzwischen aber hat sich denn auch die volle frühromantische
Dichtung eingestellt: Tiecks Volksmärchen 1797, Franz Stern⸗
balds Wanderungen 1798, Friedrich Schlegels Lucinde 1799,
Tiedges Urania 1801: und schon übt die neue Form der
Phantasietätigkeit ihren Einfluß auch auf die älteren Großen,
auf Schiller, Beethoven, Goethe.
Etwa mit dem Jahre 1808 ist dann in der Entwicklung der
Frühromantik ein stärkerer Einschnitt wenn nicht schon etwas wie
rin Abschluß wahrzunehmen; die Schwere der äußeren Zeitereig—
aisse wirkt ein; schon gibt Ernst Moritz Arndt seit 1806 seinen
Geist der Zeit heraus und hat Fichte seine Reden an die deutsche
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