Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

308 vierundzwanzigstes Buch. Drittes Kapitel. 
die Bewegung mit der Begründung der österreichischen Reichs⸗ 
anstalt (1849) schon eine beträchtliche Höhe. 
Im Verlaufe dieser Einzeluntersuchungen aber erwuchs all⸗ 
mählich auch eine immer sicherere relative Chronologie der 
übereinandergelagerten geologischen Schichten. Maßgebend hier⸗ 
für war die Auffindung von Leitobjekten, nach welchen diese 
Schichten als später oder früher entstanden zu bestimmen waren. 
Und hier trat nun die organische Naturwissenschaft des Erd⸗ 
innern, die Paläontologie, in ihre Rechte. Denn da auch der 
Fauna und Flora der geologischen Vergangenheiten schon unsere 
Sonne geleuchtet hatte, so war klar, daß sie im allgemeinen 
auf der Erde zu einer gewissen Zeit durchgehends auch dieselbe 
Form, denselben Stil gleichsam, aufweisen mußten; und dies be⸗ 
fähigte ihre im Erdinnern deponierte Formenwelt, als Leiterin zur 
Aufftellung einer relativen Chronologie der geologischen Schich⸗ 
tung zu dienen. Der erste Gelehrte, der in den Versteinerungen ein 
entscheidendes Material zur Erkennung der verschiedenen geologi⸗ 
schen Schichtungen sah, war allerdings schon der Deutschböhme 
J. von Born (1742-1791) gewesen. Doch mit dieser Er— 
senntnis allein war es nicht getan. Offenbar mußte erst die Auf⸗ 
einanderfolge der verschiedenen Floren und namentlich Faunen, 
hei denen sich die Unterschiede leichter erkennbar zeigen, festgestellt 
sein, ehe sich die paläontologischen Leitfossilien gründlicher zu geo⸗ 
logischen Bestimmungen benutzen ließen. Der Anfang der hier⸗ 
her gehörigen Studien aber wurde vornehmlich erst um und 
nach 1800, besonders durch Cuvier (1769 - 1832), gemacht. Von 
da ab hat sich dann, wenn auch unter außerordentlichen Schwierig⸗ 
keiten, der Prozeß einer immer klareren und richtigeren Da⸗ 
tierung der geologischen Schichten langsam vollzogen; eben für 
ihn waren die geologischen Landesuntersuchungen von großer 
Bedeutung, wie denn z. B. die Aufstellung eines so wichtigen 
Systemes, wie jenes der Trias in den mittelrheinischen Forschungen 
von Dechens und von Deynhausens abschließend erfolgt ist; und 
gegen Mitte des Jahrhunderts war im allgemeinen ein Zu⸗ 
sammenhang gefunden, der in späterer Zeit nur noch genauerer 
Durchbildung bedurft hat.
	        
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