Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

Die Frühromantik. 
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zugrunde liegenden Idealismus der Kantschen Lehre einen ein⸗ 
seitigen Vorzug. Und indem dies geschah, entwickelte es eine 
Richtung des Denkens, die darauf hinauslief, durch Ver⸗ 
schmelzung des reinen Ichs und der Dinge an sich mit dem 
Absoluten einen Pantheismus zu begründen, in welchem die 
Trennung der Erscheinungswelt und der jenseitigen Kantschen 
intelligibeln Welt aufgehoben erschien, und dessen Aufbau rein 
apriorisch aus der Logik erfolgte. 
Der erste große Philosoph der frühromantischen Zeit war 
Fichte. Fichte schon sah ursprünglich das subjektive Weltbild, 
das jede Person sich macht, als das eigentlich Seiende an und 
ließ erst aus ihm die objektive Welt hervorgehen. 
Fichte war am 19. Mai 1762 zu Rammenau in der Ober⸗ 
lausiz als Sohn eines armen Webers geboren; mit ihm zuerst 
schob sich jenes junge philosophische Geschlecht in den Vorder⸗ 
grund, das über Kant hinauswollte; er hat es gewagt, Kant 
einen Dreiviertelskopf zu nennen. Nach schweren Kämpfen um 
Leben und Unterhalt, nach einer erzieherischen Tätigkeit von 
neun Jahren, die ihn vornehmlich nach Zürich geführt hatte, 
und nach persönlichen Beratungen mit Kant im Jahre 1794 
übernahm Fichte eine Professur in Jena, legte sie infolge von 
Zwistigkeiten mit der Regierung, die sich an die Veröffent⸗ 
lüchung einer Gott und den sittlichen Weltwillen gleichsetzenden 
Schrift knüpften, nieder und lebte seitdem bis zu seinem Tode 
im Jahre 1814 meist in Berlin, seit 1810 als Professor an der 
neubegründeten Universität. So war sein Leben äußerlich be⸗ 
wegt, und es war es auch innerlich, um so mehr, als er früh 
in anregenden Verkehr mit den dichterischen und religiösen 
Fuhrern der Romantik, mit Friedrich Schlegel, mit Schleier⸗ 
macher, mit Tieck u. a. getreten war und vor allem auch mit 
den gewaltigen politischen Ereignissen seiner Zeit mitfühlte, an 
den Peripetien der französischen Revolution innerlich teilnahm 
und, lebhaften Staatsgefühls, ein glühender Patriot, auch in den 
Jahren der deutschen Befreiungszeit unvergleichlich gewirkt hat!. 
S. Band IXS. 334 ff., 364.
	        
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