Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

470 Fünfundzwanzigstes Buch. Drittes Kapitel. 
Umbildung ihrer Anschauungen: sie wünschten Preußen den Sieg. 
So vereinzelt in Bayern und Schwaben, zahlreich in Hannover 
und Thüringen, überwiegend in Hessen. Es war eine Stimmung, 
die immerhin den Preußen in Mitteldeutschland und Nordwest⸗ 
deutschland bis zur Mainlinie einen guten Empfang versprach. 
In diesen Gebieten aber kam es vor allem darauf an, rasch 
endgültige Klarheit über die Neigungen der Regierungen zu er— 
halten. Waren sie Preußen feindlich, so mußten sie schnell besiegt 
verden, um Raum zu gewinnen für die militärische Tätigkeit auf 
dem Hauptkriegsschauplatze, im Kampfe gegen Hsterreich. 
Dementsprechend ging Preußen militärisch und diplomatisch 
vor. Die schleswig-holsteinschen Besatzungstruppen hielt man 
unter Manteuffel, die rheinisch-westfälischen unter Beyer und 
Goeben, die sächsischen unter Herwarth von Bittenfeld zum 
Finmarsch in Hannover, Kurhessen und Sachsen bereit, und 
richtete darauf, unmittelbar nach der Auflösung des Deutschen 
Bundes vom 14. Juni, am 15. Juni an die Herrscher dieser 
Länder die Aufforderung zur strikten Neutralität sowie zur An— 
nahme des am 14. Juni in Frankfurt eingebrachten preußischen 
Antrags auf Bundesreform. Für den Fall der Bejahung sollte 
ihnen Souveränität und Landbesitz gewährleistet, im Falle der 
Berneinung der Krieg erklärt werden. Entscheid wurde bis zur 
Mitternacht vom 15. auf den 16. Juni gefordert. 
Er fiel in allen drei Staaten zu ungunsten Preußens aus. 
Sachsen lehnte am Abend des 15. Juni ab; im selben Augen⸗— 
zlicke fast überschritten die preußischen Truppen die Grenze. 
Die sächsische Armee zog sich nach Böhmen zurück, am 18. Juni 
schon besetzten die Preußen Dresden. Die Landesverwaltung 
»erblieb dem sächsischen Ministerkomitee unter Aufsicht eines 
preußischen Zivilkommissars, von Wurmb; die preußischen 
Truppen gingen unter Herwarth als Elbarmee nach Böhmen 
weiter. Die Truppen in Westdeutschland dagegen blieben bald 
als Mainarmee für sich unter dem Oberbefehl des Generals 
Vogel von Falckenstein. 
In Kurhessen erklärte der Kurfürst, dem bei strikter Neu— 
tralität zugleich ein Teil von Hessen-Darmstadt verheißen wurde,
	        
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