Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

478 Fünfundzwanzigstes Buch. Drittes Kapitel. 
eine andere Straße, welche der Armee Herwarths zum Anmarsch 
dienen konnte: so war Gitschin der natürlichste Vereinigungs— 
punkt zunächst der Elbarmee und der ersten Armee. Ferner 
führen von Schlesien aus zwei Pässe über das Riesengebirge, 
der eine über Trautenau nach Gitschin, der andere über Nachod 
und Skalitz nach Josephstadt und Königgrätz: auf diesen Wegen 
mußte sich die schlesische Armee mit der vereinigten Elb⸗ und 
ersten Armee treffen. War man dann zu Dreien vereinigt, so 
mußte die Entscheidungsschlacht gegen die österreichische Armee 
gesucht werden. Diesen natürlichen Bedingungen entsprechend 
verlief der Feldzug binnen etwa acht Tagen. 
Am 29. Juni war die Vereinigung der Elbarmee und der 
ersten Armee vor Gitschin gesichert, nachdem sich die Elbarmee 
in dem Gefecht von Hühnerwasser, die erste Armee in den Ge— 
fechten und Schlachten von Turnau und Podol, von München⸗ 
grätz und von Gitschin den Weg gebahnt hatten. 
Gleichzeitig hatte die Bewegung der kronprinzlichen zweiten 
Armee von Schlesien her begonnen. Am 27. Juni war sie durch 
die beiden schlesischen Gebirgspässe gebrochen. Auf dem nörd— 
lichen Paß wurde aber Bonin am 27. Juni bei Trautenau 
von Gablenz geschlagen und weit in den Paß zurückgedrängt. 
Doch konnte ihm das Gardekorps helfen, das zwischen beiden 
Hauptpässen einen Nebenpaß zur Unterstützung beider Haupt-— 
richtungen gezogen war. Es lieferte am 28. Juli das Gefecht 
von Burkersdorf, in dem Gablenz geschlagen wurde, und nun 
kam Trautenau definitiv in die Hände der Preußen. Auf dem 
südlichen Paß aber brach sich der siebzigjiährige, im bloßen 
Garnisondienst groß gewordene Steinmetz durch die Gefechte vom 
27. Juni bei Nachod und am 28. Juni bei Skalitz mit über— 
raschender Umsicht und Zähigkeit Bahn: und so stand seit dem 
29. Juni der Vereinigung der Elb⸗ und ersten Armee mit dem 
schlesischen Heere nichts mehr im Wege. Damit bedurfte das 
Gesamtheer jetzt einheitlicher Fuhrung an Ort und Stelle, 
während seine einzelnen Teile bisher von Berlin aus telegraphisch 
geleitet worden waren; am 30. Juni reisten König Wilhelm 
und Moltke nach Böhmen ab.
	        
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