Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

Erste Stufe der kleindeutschen Löfung der Einheitsfrage. 4858 
die jetzt erst recht mobil zu werden begannen, nachdem freilich 
ihre Flotte am 20. Juli auf der Hoͤhe von Lissa durch die 
österreichische unter Tegetthoff geschlagen worden war. Sie 
wurden aufgehalten durch die Wünsche König Wilhelms, die 
ziemlich weit über das hinausgingen, was Bismarck als im 
Interesse Preußens gelegen forderte. Denn schon damals hatte 
Bismarck, ja schon auf dem Schlachtfelde von Königgrätz, den 
Gedanken, den zu begründenden engeren deutschen Bund bald 
in ein näheres, freundschaftliches Verhältnis zu sterreich zu 
bringen. Und König Wilhelm gab nicht nach, bis Bismarck 
ihm die Lage in einer Denkschrift vom 24. Juli“ auseinander⸗ 
setzte, worin vor allem betont war, wie sehr man Osterreich 
schonen müsse. Die Rückgabe dieser Denkschrift begleitete König 
Wilhelm mit wenigen Worten und fügte sich Bismarck mit der 
Bemerkung: „Wenn trotz Bismarcks pflichtmäßiger Vertretung 
der preußischen Ansprüche vom Besiegten nicht das, was Armee 
und Land erwarten dürften, zu erlangen sei, ohne das Haupt⸗ 
ziel zu gefährden, so müsse der Sieger vor den Toren Wiens 
fich eben fügen und der Nachwelt das Urteil überlassen.“ 
Nun kam man rasch zum Ziele; am 26. Juli waren die 
Präliminarien zur Unterschrift fertig. Im Augenblick ihrer 
Unterzeichnung aber meldete sich der französische Gesandte 
Benedetti, um im Namen Frankreichs Kompensationen zu be⸗ 
gehren mit der Andeutung, es werde sich wohl um links—⸗ 
rheinische Landschaften handeln. Da sagte ihm Bismarck: 
„Machen Sie mir heute keine amtliche Mitteilung dieser Art“ 
und — unterzeichnete. Es war ein glücklich erfaßter Augen⸗ 
blick: — jede Stunde später hätten die Verhandlungen an dem 
mittlerweile heiß erwachten, wenn auch schon früher vor⸗ 
handenen und nur infolge der damals recht schmerzhaften Krank—⸗ 
heit des Kaisers latent gebliebenen Begehren Napoleons nach 
irgendeinem Landgewinne scheitern müssen. 
Am 28. August wurde der endgültige Friede zwischen 
Ssterreich und Preußen zu Prag unterzeichnet. Osterreich trat 
1 S. oben S. 482.
	        
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