388 Fünfundzwanzigstes Buch. Drittes Kapitel.
nischer Agide gelingen müsse, war dem Kaiser nicht im geringsten
zweifelhaft.
Dieser ganzen Auffassung läßt sich nun gewiß eine Art
selbstloser Großartigkeit nicht abstreiten. Zwar war Frankreich
in diesem Zukunftsplan die bedeutsame Rolle einer europäischen
obersten Macht und eines Protektors der fremden nationalen
Bildungen vorbehalten. Allein in der Zeit, da Napoleon diese
Pläne voll entwickelte, in den Jahren 1856 bis 1860, ja noch
länger, war er ja tatsächlich schon der Schiedsrichter Europas.
Und unter allen Umständen lagen dieser Politik große Ge—
danken einer neuen Zeit, ja eines neuen Kulturzeitalters zu⸗
grunde, wie sie die legitimistische Kabinettspolitik noch der
ersten Hälfte des Jahrhunderts nicht gekannt hatte: und zweifels—
ohne wurde damit ein höherer Geist in den allgemeinen Zug
der europäischen Geschichte eingeführt. —
Seit den fünfziger Jahren gärte es in Italien ohne
Unterlaß. In Neapel wurde das unfähige Regiment des
Bourbonen Ferdinand II. durch die allgemeine Antipathie des
Volkes und die Chmorra, einen Geheimbund bewaffneter
Banden, lahmgelegt. Über ganz Italien erstreckte sich der
Nationalverein, von Manin und Pallavicino gebildet, jetzt von
dem tätigen Messinesen La Farina gefördert; daneben stand
unter Mazzini der radikale Bund der Tat. Ihren Mittelpunkt
aber fanden die nationalen Bestrebungen in Piemont und in
dessen großem Staatsmann Cavour. Cavour suchte zunächst
Piemont auf den Kampf mit OÖsterreich vorzubereiten, indem er
in einer inneren Reformpolitik die Kräfte des Volkes entfesselte.
Daneben wußte er das Ansehen Sardiniens bei den Groß—
mächten zu stärken. In dieser Absicht ließ er sein Land vor
allem am Krimkriege teilnehmen; in der Tat war die Folge,
daß Sardinien auf dem Pariser Friedenskongreß Sitz und
Stimme erhielt. Und hier deutete nun Cavour unter geheimer
Freude Napoleons die italienischen Forderungen und Bedürf—⸗
nisse an: führte ganz allgemein und allseitig Klage über die
Leiden und Bedrückungen des Landes, wies auf die schlechte
Regierung des Kirchenstaates und anderer Gebiete Mittelitaliens