z392 Fünfundzwanzigstes Buch. Drittes Kapitel.
auf Rom. In Rom hatte inzwischen Napoleon, dessen Truppen
die morsche päpstliche Herrschaft stützten, vergeblich auf Re—
formen gedrängt. Der Papst und mit ihm der Klerikalismus
aller katholischen Länder lehnte diese Reformen ab und sah in
der französischen Besatzung Roms weniger eine Truppe zum
Schutze als zur Überwachung. Um sicherer zu gehen, begann
daher der Papst allerdings seine eigene Armee etwas zu refor⸗
mieren, an ihre Spitze trat der verbannte französische General
Lamoricière. Unter diesen Umständen schien ein Zusammenstoß
zwischen den italienischen Freischaren Garibaldis und den Päpst⸗
lichen bevorzustehen. In diesem Moment griff Napoleon der
Hauptsache nach etwa in der Weise ein, daß er dem König
Viktor Emanuel vom päpstlichen Staate Umbrien und die
Marken sowie das Königreich Neapel preisgab: unter der
Voraussetzung, daß dem Papste das eigentliche Patrimonium
Petri erhalten bliebe. Jedenfalls vollzogen sich dementsprechend
die nächsten Ereignisse. Am 18. September 1860 schlug ein
sardinisches Heer die päpstlichen Truppen unter Lamoricière
bei Castelfidardo; am 9. Oktober erschien König Viktor Emanuel
in Ancona und übernahm den Oberbefehl des Heeres, um
nötigenfalls gegen Garibaldi zu marschieren. Doch erwies
sich das nicht als notwendig. Eine Volksabstimmung vom
21. Oktober 1860 entschied die Vereinigung Neapels mit
Piemont, Garibaldi übergab dem König den Oberbefehl; und
dieser vertrieb den König Ferdinand von Neapel aus seiner
letzten Position in Gaeta.
Am 17. März 1861 nahm Viktor Emanuel zu Turin feier⸗
lich den Titel Rè d' Italia an; außer Venetien und Rom war
ganz Italien einig.
Es waren Ereignisse, die auch in Deutschland, vor allem
bei den Nationalen und Liberalen, weiten Widerhall fanden.
Sollte, was in Italien gelungen war, nicht auch der ehemals
führenden Nation Zentraleuropas, wenn auch in anderen Formen,
möglich sein? Mehr als seit langem schaute man nach einem
Helden, einem Retter aus. Und schon war den Einsichtigen,
auch in Süddeutschland, gegenwärtig, daß ein Fortschreiten zu