Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

Erste Stufe der kleindeutschen Lösung der Einheitsfrage. 401 
zu Coburg, seine Ideale in den kraftvollen Worten: „Das 
deutsche Volk kann nicht mit dürftiger Ausbesserung einer Bundes⸗ 
verfassung abgefunden werden, deren innerstes Wesen die Zer—⸗ 
splitterung und politische Ohnmacht ist . . Dem Rechtsbewußsein 
der Nation und ihrem Verlangen nach Macht und Freiheit ent⸗ 
spricht nur eins: die Ausführung der Reichsverfassung vom 
28. März 1849 samt Grundrechten und Wahlgesetz, wie sie 
von den legal erwählten Vertretern des Volkes beschlossen sind.“ 
So von der Entwicklung des Zeitgeistes getrieben, traten 
die Bundesstaaten selbst an die Reform der Bundesverfassung 
heran. Wie stets, wenn es sich um die Einwirkung der öffent⸗ 
lichen Geistesströmungen handelte, standen dabei die kleineren 
und mittleren Staaten in vorderster Reihe. 
Schon 1855 hatte allerdings der sächsische Minister 
von Beust einmal eine Denkschrift über eine generelle Reform 
des Bundes vorgelegt; sie war aber wenig glücklich gehalten 
gewesen. Und selbst bereits vor ihm hatte König Mar II. 
von Bayern im November 1855 in Frankfurt beantragt, die 
Bundesversammlung möge an die Beratung gemeindeutscher 
Gesetze gehen: über ein deutsches Handelsrecht, über ein 
deutsches Heimatsrecht und die Regelung der Auswanderung, 
über gemeinsame Müunze, Maß und Gewicht. Aber auch er 
war damit nicht durchgedrungen. Preußen hatte sich wider— 
sett. In Preußen hatte man erwogen, daß solche Bundes— 
gesetze, die der Einstimmigkeit aller Staaten bedurften und 
auch nur bei Einstimmigkeit aller geändert werden konnten, 
einen Staat wie Preußen zu sehr bänden: statt dessen zog man 
den Weg freier Verhandlungen außerhalb des Bundestages vor. 
Ein anderer, etwas frischerer Zug kam in die Reform⸗ 
verhandlungen des Bundestages erst, als, nach dem Verzichte 
Friedrich Wilhelms IV. auf die Regierung, sich der Prinz von 
Preußen der Fortbildung der Bundesverfassung von ganz 
anderen Gesichtspunkten aus annahm. Der Prinzregent glaubte 
seinerseits fest an die einstige Einheit Deutschlands unter 
preußischer Führung; aber ebenso fest war er entschlossen, diese 
Einheit seinerseits mit den Waffen nur in der Defensive herbei⸗
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.